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Politik-TV


Politische Bildung und medienpädagogische Projekte im Bürger-Fernsehen
TV, Video und Wahlumfragen im medienpädagogischen Alltag am Beispiel einer TV-Sendung zur Rostocker Oberbürgermeister-Wahl 2005

Der vorliegende Text möchte insbesondere Lehrer, Freizeitpädagogen, Multiplikatoren und Mentoren ansprechen, die vor allem im Rahmen von Schule, Freizeit-, Jugend- und Erwachsenenbildung medienpädagogische Projekte planen und nach Möglichkeiten suchen, politische und kulturelle Bildung miteinander zu verknüpfen.
Es werden Grundlagen der Arbeit in medienpädagogischen Projekten dargestellt, die unverzichtbares Rüstzeug für die Produktion audiovisueller Medien sind. Die Broschüre stellt das Projekt einer Studio-Live-Sendung anlässlich der Wahl des Oberbürgermeisters in der Hansestadt Rostock im Februar 2005 beispielhaft dar. Die Autoren wollen die Leser ermuntern, vor allem in Kooperation mit den Offenen Kanälen, Bürgerradios und Medienwerkstätten in Mecklenburg-Vorpommern sowie anderen Partnern, insbesondere der politischen und kulturellen Bildung, ähnliche Projekte zu initiieren und zu realisieren.
Im Rahmen des Projektes wurde eine Wählerumfrage durchgeführt, deren Ergebnisse in die Wahlsendung eingeflossen sind. Die Autoren hoffen, mit der Broschüre eine praktikable Handreichung vorzulegen, die möglichst viele ihrer Nutzer zu eigenen Projekten und damit zur Einmischung in die Mitgestaltung unserer Gesellschaft anregt.


I. Einleitung

1.1. Ausgangssituation
1.2. Zielstellungen des Projektes
1.3. Broschüre

II. Videoprojekte im pädagogischen Alltag

2.1. Allgemeines
2.2. Projektbeginn, Ideenfindung, Zieldefinition
2.3. Organisation und Zeitplanung
2.4. Vertiefung von Ideen und Ausarbeitung der Themen (Redaktion)
- Exposè
- Recherche
- Treatment/Storyboard
2.5. Praktische Voraussetzungen, Durchführung (Produktion)
- Umgang mit der Kamera
- Interview, Moderation
- Dreharbeiten
- Postproduktion (Schnitt, Nachvertonung, Kommentare)
- Live-Sendung
2.6. Projektpräsentation
2.7. Allgemeine Übersicht der Teilbereiche

III. Wahlsendung zur Oberbürgermeisterwahl in Rostock 2005

3.1. Projektgruppe
3.2. Projektidee
3.3. Motivation und Zielsetzung für die Wahlsendung
3.4. Organisation und Zeitplanung der Wahlsendung
    - Sendetermin festlegen
    - Studiogäste auswählen und festlegen
    - Kandidaten und sonstige Studiogäste einladen
    - Themen finden und festlegen
    - Darstellungsformen festlegen
    - Finanzierung sichern
3.5. Produktionsbeispiel: Sendetrailer
3.6. Realisierung der Wahlsendung
    - Tagesdisposition der Produktion der Studio-Live-Sendung
    - Sendeablaufplan der Studio-Live-Sendung
    - Resümee

IV. Wahlforschung - Statistik

4.1. Umfrage
   -  Empirische Studie zur OB Wahl
    - Aufgaben und Arbeitsteilung
    - Seminare zur empirischen Sozialforschung
4.2. Erhebungsinstrument
     - Fragebogen
    - Durchführung der Umfrage, Analysen

V. Anhang

5.1. Literaturhinweise
5.2. Kooperationspartner
5.3. Fragebogen
5.4. Ergebnisse der Umfrage (Diagramme)
 

I. Einleitung



1.1. Ausgangssituation

Immer wieder wird die Politikverdrossenheit nicht nur der jungen Generation beklagt. Und tatsächlich scheint sich dies im medienpädagogischen Alltag zu bestätigen: zunehmend häufiger als das noch in den 90er Jahren der Fall war, wählen Jugendliche in Medienprojekten fiktionale Darstellungsformen zur Artikulation ihrer Erfahrungen, Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Horror-, Action-, Comedyformate erfreuen sich offenbar höchster Beliebtheit. Auf dokumentarische oder journalistische Stoffe oder Formen angesprochen, reagieren sie oft mit Unverständnis, Zurückhaltung und/oder Desinteresse. Ist dies auf eine um sich greifende Politikverdrossenheit zurück zu führen?
Das hier beschriebene medienpädagogische Projekt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Lernziele der politischen Bildung und der Medienerziehung zusammen zu führen. Es sollte der Frage nachgegangen werden, ob es gelingt, in der unmittelbaren Begegnung von Spitzenpolitikern und jungen Leuten im öffentlichen Raum eines Bürgerfernsehsenders die oben genannte Wahrnehmung der allgemeinen Politikverdrossenheit vielleicht doch Lügen strafen zu können.
In der Medien- und Informationsgesellschaft, in der wir längst angekommen sind, kann und muss – so die Überzeugung der Projektmacher – der Bürger wieder zum handelnden Subjekt werden. Jugendliche können, indem sie mittels einer Fernsehsendung in den Wahlkampf durch selbst gestaltete Berichterstattung eingreifen, durchaus zur aktiven Teilhabe an demokratischen Prozessen und öffentlichen Diskussionen geführt werden.
„Politik ist nur das, was prominent vor allem in den elektronischen Medien stattfindet... Denn die Medienpräsenz entscheidet über den Marktwert eines Politikers... Selbst ein brillanter, anerkannter Fachmann bleibt chancenlos, wenn er nicht in der Lage ist, die Essenz eines Leitzordners in einem 12- Sekunden  Sound - Bite zu präsentieren.“ (fi* Albrecht Leif) Das führt dazu, dass Informationen den Adressaten** in einer noch höheren Dichte erreichen. Diese Tendenz erschwert den eigenen kritischen Umgang mit medial vermittelten politischen Sachverhalten. Das Bürgermedium Offener Fernseh-Kanal z.B. unterliegt jedoch nicht dem Quoten- und Kommerzialisierungsdruck aller anderen Fernsehstationen – mithin ist hier ein kreativer Freiraum für den Bürger und den einzelnen Jugendlichen vorhanden: die eigene adäquate Form der Diskussion und Nachfrage an die Politik zu finden und zu gestalten.
Politik in Bürgermedien ist keine Kopie von Politik im „richtigen“ Fernsehen oder Radio. Politik kommt hier nur durch das Engagement der Bürger in die Offenen Kanäle, und sie greifen insbesondere Nahweltthemen auf. Dieser Zugangsweg steht allen Einwohnern des Landes Mecklenburg  - Vorpommern offen (fi Kapitel 5.2.).
Der Kinder- und Jugendbericht der Stadt Rostock 2005 zeigt darüber hinaus auch, dass Jugendliche immer weniger in tradierten Gruppenzusammenhängen agieren. „Parteipolitisches Engagement kennzeichnet eher den kleineren Teil des bürgerschaftlichen und politischen Engagements von Jugendlichen. Ein bedeutender Teil findet in  Initiativen, Aktionen, Projekten im Kontext der sozialen Bewegungen, der Bürgerinitiativen, lokalen Projekten, Stadtteilinitiativen usw. statt. Im Vordergrund stehen hier vor allem das veränderte Interesse von Jugendlichen, an informellen, projektbezogenen Aktionen zu partizipieren. Hier gilt es, für die verschiedenen Träger der politischen Kultur stärker  kampagnen-, projekt-, aktions- und eventorientierte Politikformen und Beteiligungsangebote zu entwickeln und bereitzustellen“ (Kinder- und Jugendbericht der Stadt Rostock 2005, fi Kapitel 5.1.)
Insbesondere auf lokaler bzw. regionaler Ebene ist es in Mecklenburg-Vorpommern jedem Bürger möglich, z.B. in den Offenen Kanälen praktisch an politischen Prozessen und öffentlichen Diskussionen Teil zu haben. So bieten sich Chancen, den sich ausweitenden Tendenzen eines zunehmend unreflektierten Fernsehkonsums sowie politischen Desinteresses entgegenzuwirken.



1.2. Zielstellungen des Projektes

Insbesondere Wahlen bieten einen Ansatzpunkt, medienpädagogische Projekte mit politischer Bildung zu verbinden. Nach den demokratischen Spielregeln steht zu einem solchen Zeitpunkt für den Einzelnen vor allem sein Wahlrecht im Mittelpunkt der Möglichkeiten eigenen politischen Handelns. Daran anknüpfend ist die Möglichkeit, im Rahmen einer Wahlsendung direkt und zu selbst gewählten Themen mit Politikern ins Gespräch kommen zu können, sicherlich besonders motivierend. Das ergibt sich jedenfalls aus dem Projektverlauf und dem regen Zuspruch für das Vorhaben, anlässlich der Rostocker Oberbürgermeisterwahlen 2005, eine Wahlsendung im Bürgerfernsehen zu gestalten und dazu eine eigene repräsentative Umfrage unter den Rostocker Bürgern durchzuführen. Das Motto für die Teilnehmer – überwiegend Schüler, Jugendliche, Studenten – war schnell gefunden: was ARD und ZDF können, das versuchen wir auch. Auch ein so verwegener Anspruch kann durchaus zu besonderem Engagement führen.

Die Ziele politischer Bildung, die mit dem Projekt „OB-Wahlsendung“ verfolgt werden sollten, lassen sich so umreißen:


  • - die Überwindung "gefühlter Ohnmacht" Jugendlicher im politischen Raum durch aktive Teilhabe an demokratischen Diskussionen und Prozessen durch eine selbstgestaltete Wahlsendung im Bürgerfernsehen sollte gefördert werden,
  • - die Bildung und Etablierung einer regionalpolitischen Jugendredaktion im Bürgerfernsehen sollte unterstützt werden,
  • - die direkte Begegnung von Jugendlichen und Politikern sollte systematisch organisiert werden,
  • - die Fähigkeit, eigene Interessen bzw. Themen im politischen Raum zu artikulieren, sollte gefördert werden,
  • - die Analyse der politischen Berichterstattung in den Medien und Übersetzung in eigene Handlungskonzepte der Teilnehmer sollte ermöglicht werden,
  • - die Konzipierung und Durchführung einer repräsentativen Umfrage zu den OB-Wahlen sollte realisiert werden.


Vor allem mit der Realisierung der Wählerbefragung wurden für die Teilnehmer Funktion und Wirkungsweise dieses zunehmend an Bedeutung gewinnenden Instrumentes der Wahlbericht- erstattung transparent und erlebbar. Das führte zu der Erkenntnis, dass bei entsprechendem persönlichen Engagement in einer (regionalpolitischen) Redaktionsgruppe auch ein Anspruch, sich an den „Grossen“ messen zu wollen, durchaus, zumindest in Teilen, einlösbar ist.
Insbesondere aber war das in Kapitel III beschriebene Projekt einer „OB-Wahlsendung“ ein medienpädagogisches Vorhaben. Ist doch die wichtigste Voraussetzung, um sich mit dem „richtigen“ Fernsehen messen zu können, dass die Akteure in technischer wie gestalterischer Hinsicht das Medium Fernsehen souverän handhaben können. Folglich wurden in einer umfangreichen Vorbereitungsphase all jene (Medien-) Kompetenzen vermittelt und geübt, die erforderlich waren, um dann ein so komplexes Vorhaben, wie es eine Studio-Live-Sendung im Fernsehen darstellt, mit den Teilnehmern auch tatsächlich verwirklichen zu können. Im Mittelpunkt standen folgende medienpädagogischen Zielstellungen:


  • - Beherrschung der digitalen und analogen Fernsehtechnik,
  • - Vermittlung und Übung journalistischer Arbeitsweisen und Darstellungsformen,
  • - Vorstellen und Einüben von Möglichkeiten des dokumentarischen Arbeitens mit Video für das eigene Tätigkeitsfeld,
  • - Organisation und Produktion einer Studio-Live-Sendung mit Studiogästen (Spitzenkandidaten), Moderation, vorgefertigten Beiträgen und Präsentation von Ergebnissen einer repräsentativen Wählerbefragung,
  • - Konzipierung, Organisation, Durchführung, Analyse, Auswertung und Präsentation  einer  empirischen Studie.



1.3. Broschüre

Die vorliegende Broschüre richtet sich insbesondere an Lehrer, Freizeitpädagogen, Multiplikatoren und Mentoren, die vor allem im Rahmen von Schule, Freizeit-, Jugend- und Erwachsenenbildung medienpädagogische Projekte planen und nach Möglichkeiten suchen, politische und kulturelle Bildung miteinander zu verknüpfen.
Im  Kapitel II. werden Grundlagen der Arbeit in medienpädagogischen Projekten dargestellt, die unverzichtbares Rüstzeug für die Produktion audiovisueller Medien sind. Das geschieht unter dem Blickwinkel der Zielstellung der Produktion einer komplexen Fernsehsendung. Der Leser kann aber auch Hilfestellung und Hinweise für die Realisierung kleinerer Videoprojekte entnehmen.
Das Kapitel III. stellt dann das konkrete Projekt einer Studio-Live-Sendung anlässlich der Wahl des Oberbürgermeisters in der Hansestadt Rostock im Februar 2005 beispielhaft dar, in dessen Zuge diese Broschüre entstand. Auch hier wollen die Autoren keineswegs abschrecken, sondern die Leser ermuntern, vor allem in Kooperation mit den Offenen Kanälen, Bürgerradios und Medienwerkstätten in Mecklenburg-Vorpommern sowie anderen Partnern insbesondere der politischen und kulturellen Bildung ähnliche Projekte zu initiieren und zu realisieren.
Im Kapitel IV. schließlich wird näher auf die im Rahmen des Projektes durchgeführte Wählerumfrage eingegangen. Auch hier werden Hinweise gegeben, wie man als Medienpädagoge oder Projektleiter selbst ein ähnliches, auch „kleineres“ Vorhaben in Angriff nehmen kann.
Und – last, but not least – finden sich im Anhang (fi Kapitel V.) Literaturempfehlungen, Kontakthinweise zu Partnern für eigene Projekte der politischen Bildung und der Medienpädagogik, der Fragebogen zur Oberbürgermeisterwahl 2005 in Rostock und dessen Ergebnisse in Diagrammform.
Die Autoren hoffen, mit der Broschüre eine praktikable Handreichung vorzulegen, die möglichst viele ihrer Leser zu eigenen Projekten und damit zur Einmischung in die Mitgestaltung unserer Gesellschaft anregen wird.
Dank gilt vor allem der Landeszentrale für politische Bildung und dem Landesjugendamt Mecklenburg-Vorpommern sowie dem Fonds Soziokultur e.V., ohne deren Unterstützung weder die Projektdurchführung noch die Broschüre zustande gekommen wären. Ebenso danken die Autoren der Konrad-Adenauer-Stiftung, die insbesondere die seminaristische und wissenschaftliche Begleitung der Umfrage unterstützte. Nicht zuletzt gilt der Dank auch den Kollegen des Instituts für neue Medien Rostock, der Universität Rostock und rok-tv für ihre Mitarbeit und Unterstützung.

Eine Kopie der Sendung kann auf Anfrage beim Institut für neue Medien (fi Kapitel 5.2.) bestellt  werden.



II. Videoprojekte im pädagogischen Alltag


2.1 Allgemeines

Um sich mit politischen Fragestellungen, Meinungsbildern, aktuellen Debatten oder Themen aus dem unmittelbaren oder regionalen Umfeld auseinander zu setzen, bieten sich vielfältige Möglichkeiten in unterschiedlichen pädagogischen Situationen an. Lehrer können in ihrem jeweiligen Fachunterricht Themen wie Demokratie, gesellschaftliche Werte, Globalisierung, Mobilität oder Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt usw. behandeln und die Schüler mittels Vortrag oder Gruppenarbeit strukturiert an entsprechendes Wissen heranführen. Der Sozial- oder Freizeitpädagoge kann mit seinen Jugendlichen über Themen wie Jugendkriminalität, Gewalt, Zukunftsvorstellungen, Berufschancen diskutieren und/oder entsprechende Veranstaltungen mit ihnen organisieren. Aber auch in Volkshochschulen und anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen können Seminare oder Lesungen angeboten werden, die politische Themen aufgreifen und die Zuhörer diesbezüglich sensibilisieren.
Ungeachtet der Vielzahl an Möglichkeiten, politische Themen und Fragestellungen bildungsorientiert zu bearbeiten, besteht in der Kombination von politischer- und Medienbildung eine zusätzliche und didaktisch spannende Vermittlungs- und Auseinandersetzungsvariante. Darum soll es auch in einem ersten Schritt gehen. Wie kann man auch mit wenigen medientechnischen Voraussetzungen ein Projekt entwickeln und realisieren, bei dem man Kamera- und Videotechnik nutzt, um sich einer politischen Fragestellung zu nähern bzw. bei dem auch die Medieninhalte (z.B. Nachrichten, Reality-Formate etc.) selbst zum Gegenstand der Betrachtung werden können.
Das Interesse insbesondere junger Menschen an den Medien aufgreifend, birgt politische Bildung im Kontext von Medienprojekten nicht nur einen hohen Erlebniswert durch das produktorientierte Arbeiten, sondern auch eine gute Motivationsgrundlage für Kinder und Jugendliche, Themen, die für sie mitunter nicht von unmittelbarem Interesse sind, über den Gebrauch von Medienwerkzeugen attraktiv zu machen.

Wie kann ganz konkret ein audiovisuelles Projekt aussehen, was muss beachtet werden, welche Schritte folgen aufeinander, welche Vorerfahrungen benötigt man, wie kommt man von der Idee zum fertigen Produkt und welches Produkt soll letztlich das Projektergebnis sein? Alle diese Fragen sollen in den nachfolgenden Kapiteln  beantwortet werden. Es werden allgemeine Erklärungen gegeben, durch die einzelne Schritte verdeutlicht werden. Der Focus der Broschüre liegt auf nonfiktionalen Medienprojekten (journalistische Formate wie z.B. Dokumentationen). Bestimmte Basiselemente haben allerdings auch in fiktionalen Produktionen (Kurzfilmen etc.) Gültigkeit.
In Kapitel III. kann der Leser anschließend die verschiedenen Teilbereiche audiovisueller Projektarbeit exemplarisch an einer Studiosendung zur Oberbürgermeisterwahl 2005 in Rostock nachvollziehen. Es gilt allerdings, das aufgeführte Praxisbeispiel als Orientierung, nicht als Maßstab zu verstehen, denn es können für kleinere Projektvorhaben durchaus auch nur einzelne Teile davon umgesetzt werden.



2.2. Projektbeginn, Ideenfindung, Zieldefinition

Um mit einem Projekt zu einem politischen Thema oder einer Fragestellung, z.B. Gewalt an der Schule, Berufschancen für Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern, die Schließung des Jugendclubs, Rechtsradikalismus, Demokratieverständnis etc., beginnen zu können, muss eine Projektgruppe gebildet werden. Dass heißt, interessierte Menschen finden sich zusammen, um gemeinsam und gleichberechtigt das Thema zu bearbeiten. Projektgruppen können nach unterschiedlichen Kriterien gebildet werden. Gemeinsame inhaltliche Interessen können ebenso wie vorhandene, bereits erprobte Gruppenstrukturen impulsgebend sein. Denkbar sind neben außerschulischen Gruppenzu- sammenhängen beispielsweise auch Klassenverbände oder Arbeitsgemeinschaften in Schulen. „Learnig by doing“, „work in progress“ und „patchwork“ sind moderne Arbeitsweisen, die man in Projektgruppen, in denen man verschiedene Kompetenzen vorfindet, sehr gut anwenden kann. Die häufig parallel stattfindenden Arbeitsprozesse sind bei der Produktion von audiovisuellen Medien – speziell im Fernsehen – stark ausgeprägt. Insbesondere in audiovisuellen Projekten mit politischen Fragestellungen, findet man vielschichtige Inhalte und Themenblöcke, die am Ende alle in einem Produkt (Film, Fernsehsendung etc.) zusammenfließen müssen. Die wichtigsten Arbeitsbereiche sind


Redaktion und Produktion.

Zu den redaktionellen Arbeiten gehören:

  •  die Festlegung und Ausarbeitung der Themen,
  •  eine umfangreiche Recherche,
  •  Grundlagen journalistischen Arbeitens,
  •  die Auswahl der Darstellungsformen im eigenen Film (Interview, Dokumentation, Videoclip, redaktioneller Beitrag usw.) oder in einer Sendung.


Grundsätzlich ist wichtig, dass die zum Projektbeginn gegründete Redaktionsgruppe für alle inhaltlichen Belange verantwortlich ist (fi Kapitel 2.4.). Die Arbeit der Redaktionsgruppe muss dennoch regelmäßig mit der Produktionsgruppe (fi Kapitel 2.5.) abgesprochen und an deren Arbeitsprozess angepasst werden. Die Produktionsgruppe ist für alle technischen und logistischen Fragestellungen zuständig. Hier werden beispielsweise Dreh- und Sendetermine festgelegt, Personen für die Aufnahmen (Interviewpartner) und z.B. den Schnitt verpflichtet, die gesamte Technik besorgt und kontrolliert sowie Präsentations- und Ausstrahlungsoptionen (evtl. Ausstrahlung im TV, Vorführung in der Schule, dem Jugendclub usw.) abgeklärt.
Die einzelnen Arbeitschritte sollten in kleinen Teams von zwei bis vier Personen bewältigt werden. Ein regelmäßiger Informationsaustausch macht dann im Plenum den jeweiligen Stand des Projektes für alle Beteiligten transparent. Die einzelnen Arbeitsbereiche stellen unterschiedliche Anforderungen an die jeweiligen Verantwortlichen. Sie sind in der Praxis nie ganz von einander abzugrenzen. Insbesondere bei kleineren Projektvorhaben und einer entsprechend geringeren Teilnehmerzahl, sind meist alle Teilnehmer sowohl in den redaktionellen als auch den technischen Bereich eingebunden. Dennoch sollten die unterschiedlichen Arbeitsebenen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein, um das eigene Arbeiten zu systematisieren.
Neben der Projektgruppe ist der zeitliche und räumliche Umfang des Projektes im Vorfeld abzustecken. Es sollte geklärt werden, in welchem Rahmen das Projekt stattfindet, ob sich die Projektgruppe einmal wöchentlich über einen längeren Zeitraum treffen wird, oder ob das Projekt in ein Unterrichtsfach integriert werden soll. Auch in Workshops oder Projektwochen lassen sich Video- oder TV- Produktionen durchführen.
Bevor mit der Arbeit an der Entwicklung einer Projektidee begonnen werden kann, und das Projektziel definiert wird, sollte eine „Bestandsaufnahme“ vorgenommen werden. Hierbei sollten Interessen und  Vorkenntnisse der Gruppenmitglieder ermittelt werden.



Zu klären ist u.a.:

  • Was bringen die Teilnehmer an Vorerfahrungen mit?
  • Wer hat schon Erfahrung im Umgang mit der Video- oder Fotokamera?
  • Wer hat bereits redaktionell-journalistisch gearbeitet?
  • Wer hat erste Montage- oder Bildbearbeitungserfahrungen gesammelt?
  • Wer kann mit Officeanwendungen und/oder dem Internet umgehen?
  • Wer ist in der Lage, gut mündlich und/oder schriftlich zu formulieren?


An solche Vorkenntnisse kann und sollte bezüglich der Aufgabenverteilung angeknüpft werden. Hier können sofort vorhandene Kenntnisse praktisch eingesetzt werden (Recherchieren, Texte verfassen, Videobearbeitung usw.).
Die Inhalte sowie das Thema des Projektes sollten den Interessen der Teilnehmer nicht diametral gegenüber stehen. In der Findungsphase sollten alle Ideen (fi Kapitel 2.4) zugelassen werden. Spätestens bei der Konkretisierung einer Idee trennt sich das Unrealistische vom Machbaren. Naheliegende, konkret darstellbare und einfach zu realisierende Themen eignen sich in der Regel besser, da sie ein geringeres Abstraktionsvermögen voraussetzen.
Inhaltlich und technisch komplexe Projekte, wie z.B. eine Wahlsendung im Fernsehstudio, können i.d.R. nur mit entsprechenden Vorkenntnissen und/oder Unterstützung von kompetenten Partnern (z.B. Offene Kanäle, Medienwerkstätten) umgesetzt werden. Die Zielstellungen sollten praktikabel formuliert werden. Denn dadurch ist die Projektgruppe erfahrungsgemäß andauernder motiviert und der Erfolg des Projektes wird darüber gesichert. Insbesondere Themen von größerem öffentlichen Interesse sowie Themen aus dem nahen Umfeld (Schule, Jugendclub, Stadtteil, Wahl etc.) motivieren Projektgruppen häufig zusätzlich.
An dieser Stelle sollen einige Beispiele für allgemeine und politisch orientierte, audiovisuelle Arbeitsvorhaben skizziert werden, an denen man sich orientieren bzw. anhand derer man eine Vorstellung für das eigene Projekt entwickeln kann (alle Beispiele lassen sich gegebenenfalls auch miteinander kombinieren):


- Dokumentation/Reportagen: Ereignisse wie Schulfeste, Exkursionen, politische Kundgebung, 
  Demonstration usw.,
- Aufzeichnungen: Theateraufführungen, Schulbands, Experimente, Schul- und
  Stadtteilkonferenz, Umweltprojekt usw.,
- Interviews/Portraits: Schüler, Lehrer, Direktor, Schulrat, Experten, Politiker, Verantwortliche in
  Ämtern usw.,
- Videoclips: Musik, die mit Bildern unterlegt wird,
- Video-feed-back: Selbstreflektion, Bewerbungstraining,  usw.,
- Casting: (Agieren vor der Kamera): zu Themen wie Jugend, Beruf, Zukunft, Chancen.


Nicht jede Idee ist für eine audiovisuelle Darstellung gleichermaßen geeignet. Anhand der Visualisier- barkeit einer Idee sollte abgewogen werden, ob diese produzierbar ist. Es sollte z.B. folgendes hinterfragt und jedes „Für und Wider“ anschaulich gedacht werden:

- Welche Bilder oder Situationen können wie gefilmt werden?
- Lassen Zugangsbeschränkungen, Witterungsbedingungen oder Jahreszeiten diese
  Aufnahmen zu?
- Welche technischen Möglichkeiten stehen zu Verfügung?
- Sind ausreichend kompetente Gesprächspartner bzw. zuverlässige Dokumente vorhanden?


Nach solchen Vorüberlegungen kann mit der Konkretisierung einer Idee begonnen werden. Dabei können z.B. folgende Fragestellungen helfen:

- Wer oder was soll im Mittelpunkt des Films/der Sendung stehen?
- Wie, wann und wo findet etwas statt?
- Warum hat sich was ereignet?
- Was muss unbedingt in Bild und Ton festgehalten werden?
- Wer kann welche Auskunft zum Thema geben?

Je nach Idee und den technischen Voraussetzungen sollten auch frühzeitig Kooperationspartner (fi Kapitel 5.2.) gesucht und eingebunden werden. Dies gilt sowohl in redaktioneller wie technischer und ggf. auch in medienpädagogischer oder, wie beim Beispiel der Wahlsendung zur Oberbürgermeister- wahl in Rostock 2005, in wissenschaftlicher Hinsicht (fi Kapitel IV.). Dafür können Medienpädagogen (der lokalen Medienwerkstätten, der Offenen Kanäle oder von Bürgerradios etc.) bzw. Journalisten (Lokalzeitungen etc.) angefragt und um Unterstützung gebeten werden. Wenn man nicht weiß, wo man kompetente Unterstützung erhält, ist ein Blick ins Internet hilfreich, wo man Einrichtungen in seiner Region bzw. im gesamten Bundesland schnell finden kann.


2.3 Organisation und Zeitplanung

Eine vorausschauende und transparente Organisation der Projektabläufe sichert den Erfolg des Vorhabens. Sowohl vor Projektstart als auch in dessen Verlauf muss sichergestellt sein, dass alle nötigen technisch-logistischen Voraussetzungen für die Durchführung gegeben sind:
 
- Räume, Kameras, sonstige Aufnahmegeräte sowie Schnittplätze gebucht,
- Videokassetten gekauft,
- Termine und Absprachen getroffen,
- An- und Abreisen z.B. von Gästen geplant sind,
- ein Drehplan erstellt ist u.a.m.

Für einen reibungslosen Ablauf sind insbesondere klare Verantwortlichkeiten wichtig. Wer aus der Projektgruppe für welchen Arbeitsschritt verantwortlich ist, muss festgelegt sein.Vor Projektbeginn sollte die Projektgruppe festlegen, wann sie sich regelmäßig treffen wird. In schulischen Projekten (Unterricht, Projektwochen) kann dies regelmäßig wöchentlich mindestens 90 Minuten über ein halbes bis ganzes Schuljahr der Fall  sein. Ferner bieten sich Kompakt-Workshops oder Projektwochen an. Für die  Produktion  bzw. Herstellung der Videoaufnahmen (fi Kapitel 2.5 Umgang mit der Kamera/Dreharbeiten) und die Nachbearbeitung (fi Kapitel 2.5. Postproduktion/Schnitt) sind immer größere Zeitblöcke (4-6 Stunden) sinnvoll. Aus diesem Grund sind halbe bis ganze (Post-)Produktionstage die Regel. Grundsätzlich können – entsprechend der Möglichkeiten der Teilnehmer – auch kürzere oder andere Intervalle gewählt werden. Wichtig dabei ist, dass man sich gemeinsam auf regelmäßige Termine einigt und diese langfristig festlegt. Bei Projekten, die nicht an Schul- und Unterrichtsstrukturen gebunden sind (außerschulische Projekte in Freizeiteinrichtungen), sollte man auch feste, regelmäßige Treffen vereinbaren. Hat man für sein Projekt kein halbes oder ganzes Jahr Zeit, kann man auch Wochenend- oder Ferienseminare organisieren. Es sollte allerdings immer ein zeitlicher Puffer eingeplant werden, da möglicherweise zusätzliche Termine gemacht werden müssen, die im Vorfeld nicht absehbar waren. Das können beispielsweise Probleme bei der Abstimmung von Interviewterminen, Außendrehs zu bestimmten Tageszeiten oder kurzfristige Ereignisse sein, mit denen bei der Planung nicht zu rechnen war.
Wichtig für Organisation und Zeitplanung ist ein gemeinsam entworfener Arbeits- und Zeitplan, der an jeder Stelle des Projektverlaufes den aktuellen Stand, Probleme etc. erkennen lässt (fi Kapitel 3.5. Beispielplan). Jeder Projektteilnehmer bekommt ein Exemplar. Außerdem sind regelmäßige Treffen unabdingbar, denn Zeiten und Arbeitsaufgaben können sich in einem Projekt immer wieder ändern.


2.4 Vertiefung von Ideen und Ausarbeitung der Themen (Redaktion)

Politische Bildung im Kontext eines eigenen Video- oder Fernsehprojektes wird insbesondere an der vertiefenden Auseinandersetzung mit den gewählten Inhalten und Themen deutlich. Wie bereits erwähnt, gibt es in der audiovisuellen Projektarbeit zwei wesentliche Komponenten: den inhaltlichen und den technisch-logistischen Arbeitsbereich. Im Folgenden soll die redaktionelle Arbeit, die für das Gelingen des Projektes die Weichen stellt bzw. das Thema fokussiert, in ihren wichtigsten Teilaufgaben vorgestellt werden. Dafür sind drei Schritte unabdingbar: die Recherche, das Exposè, und das Treatment (Storyboard).

Exposè (Ideenskizze)
Das Exposè entspricht einer kurzen, schriftlichen Zusammenfassung der Film- bzw. Projektidee. Es ist die erste schriftliche Fixierung des gewählten Themas. Darin sollte so exakt wie möglich beschrieben werden, was im Endprodukt zu sehen und zu hören sein soll und mit welchen Mitteln die Zielsetzung erreicht werden kann. Das Exposè soll darüber hinaus bei Außenstehenden oder bei Verantwortlichen für andere Teilbereiche Interesse wecken und kann ggf. auch als Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit (Zeitungen, Internet) dienen. Es soll in groben Umrissen einen Orientierungsrahmen für die Projektgruppe darstellen, da es das wesentliche Anliegen und die zentrale Aussage eines geplanten Beitrags bzw. einer Sendung skizziert sowie einzelne Aspekte und deren Bedeutung umreißt. Das Exposè zwingt den oder die Autoren dazu, die Geschichte kurz darzustellen. So wird allen anderen Teilnehmern die Grundidee erläutert, um Missverständnisse zu vermeiden. Für die Autoren des Exposès besteht dadurch im Verlauf des Projektes immer wieder die Möglichkeit, sich zu vergewissern, dass das Projekt auf dem richtigen Weg ist.

Aspekte des Exposès:
 
  1. - Was?    Abriss des Inhaltes/Geschehens; kurze Skizzierung der Handlungslinien/des chronologischen Ablaufs (Story, Plot), der Bilder, Töne etc. und der Länge des Beitrags.
  2. - Wer?    Alle Hauptfiguren kurz beschreiben (Personen, die zu Wort kommen/dargestellt werden sollen).
  3. - Wo?    Bildhafte Beschreibung der Drehorte, Handlungsschauplätze (Besonderheiten skizzieren).
  4. - Wie?    Mit welchen Mitteln soll der Beitrag hergestellt werden (Technik, Bilder, Effekte, O-Töne u.a.); welche Darstellungsformen werden gewählt (z.B. Bericht, Reportage, Feature, Interview, Umfrage, Glosse, Dokumentation, Videoclip u.a.).

Das Exposè sollte ohne wörtliche Rede formuliert werden und sich auf die Darstellung der Fakten beschränken. Dabei ist eine einfache bzw. bildhafte Sprache sinnvoll. Die Beschreibung  sollte nicht länger als eine halbe A4-Seite sein.
Das Erstellen des Exposès kann und sollte etwas Zeit in Anspruch nehmen. Man kann in Abhängigkeit von der pädagogischen Situation (Schule, Freizeitgruppe) die Arbeit daran einerseits einer Teilgruppe anvertrauen, die bereits über gute Schreibkompetenzen verfügt, oder andererseits das Exposse für alle als Startaufgabe verteilen, damit sich jeder am Prozess beteiligen und sich so auch mit dem weiteren Verlauf identifizieren kann. Jeder Teilnehmer sollte verstehen, was das Exposè aussagt und wie man sich den Beitrag vorstellen kann. Ein Exposè kann allerdings nicht in jedem Fall Inhalte beschreiben, die nicht planbar sind, z. B. wenn es um die Dokumentation eines Ereignisses geht, bei dem man vorher nicht genau weiß, was passieren wird (fi Kapitel 3.5. Beispiel-Exposè).

Recherche
Möglichst alle zum Thema gehörenden Informationen müssen in einem weiteren Schritt gründlich recherchiert und aufbereitet werden, damit man nicht bei der Erstellung des Beitrags wesentliche Fakten vernachlässigt. „Journalisten agieren als ‚Anwälte’ ihrer Leser, Hörer und Zuschauer.“ Dieser Satz dient vielen Reportern und Berichterstattern als Leitlinie für ihre journalistische Arbeit. Um dieser Prämisse gerecht werden zu können, muss genau recherchiert werden. Ein Sachverhalt steht erst nach gründlichen Recherchen im richtigen Licht und kann verantwortungsbewusst als Beitrag veröffentlicht werden. Jede Information, die man später veröffentlichen will, sollte auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden. Am Anfang der Recherchearbeit ist zu klären, wer bereits etwas zum Thema weiß, danach sind mögliche Informationsquellen entsprechend der gewählten Thematik zu finden.

  •  In vielen Fällen kann heute auf das Internet zugegriffen werden. Es erleichtert vieles, ist aber nicht immer Garant für Vollständig- und/oder Richtigkeit.
  •  Insbesondere sollte man weiterführende Publikationen aller Art (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften) und Archive (Zeitungsarchive, Bibliotheken, Stadtarchive etc.) zur Informationsverdichtung und -absicherung zu Rate ziehen.
  •  Eine weitere Informationsquelle stellen Vorgespräche (Interviews, Mailanfragen oder Telefongespräche) mit Experten oder z.B. auch Politikern dar. Diese können aufgenommen und ggf. für den geplanten Beitrag verwendet werden.

Das Ziel jeder Recherche besteht darin, konkrete Antworten auf Fragen (Wer?, Wo?, Wann?, Was?, Wie?, Warum? Womit, Woher?) zu erhalten, die dabei helfen, den geplanten Sachverhalt klar und verständlich wiederzugeben.
Einer Sache nachgehen, Fakten aufspüren und zusammentragen, Stellungnahmen einholen, bedeutet Fleißarbeit, schafft aber die Grundlage für solide Informationen und einen guten Beitrag. Politische Themen in Form eines eigenen, journalistisch-redaktionellen und audiovisuell aufbereiteten Beitrags zu bearbeiten, bedeutet für die Projektgruppe neben der inhaltlichen Vertiefung auch den Einsatz sowie das Engagement für einen Sachverhalt oder eine Problematik. Daraus resultiert auch Verantwortung, die die Teilnehmer für ihr Produkt übernehmen müssen. Außerdem lernen sie dabei, wie Nachrichten vor- und aufbereitet werden, dass man Zeit investieren muss, damit der Beitrag verantwortet werden kann. Die Teilnehmer erkennen Strategien der „Medienmaschinerie“ und können deren Produkte anschließend besser beurteilen.
Je nach Umfang des geplanten Projektes bzw. Beitrages muss für die Recherche ausreichend Zeit eingeplant werden. Erfahrungsgemäß bewährt sich hier ein arbeitsteiliges Vorgehen. Recherchen dienen der Vertiefung des Themas und sind die Grundlagen für die Seriosität und das Verständnis der eigenen Handlungsabsichten.

Treatment/Storyboard
Das Ziel des Projektes ist skizziert, die wesentlichen Informationen sind recherchiert. Es ist klar, was bzw. wer im Beitrag, warum, in welcher Art und Weise zu welchem Inhalt oder Thema dargestellt oder interviewt werden wird. Um in der jetzigen Projektphase mit der Umsetzung bzw. Realisierung des Beitrags beginnen zu können, sollte ein Treatment (textliche Beschreibung des Ablaufs) und/oder Storyboard (bildliche Beschreibung des Ablaufs) erstellt werden. Dabei handelt es sich um den konkreten, chronologisch verfassten Handlungsablauf des Films bzw. der Fernsehsendung. Man muss sich über die Reihenfolge dessen, was man darstellen will, einigen und es schriftlich festhalten. Wann sagt wer was, an welcher Stelle kommen die O-Töne (Originaltöne) und Off-Texte (Kommentare) zu den Bildern. Um den Ablauf möglichst anschaulich zu beschreiben, bietet sich neben der textlichen Beschreibung (Treatment) auch eine entsprechende Bebilderung an, das Storyboard (fi Kapitel 3.5. Beispielstoryboard). Das heißt, das Treatment stellt die Vorwegnahme des visuellen Produkts in Form von geschriebenen und bebilderten Worten dar. Ein gutes Treatment erkennt man daran, dass es ganz anschaulich die geplanten Vorgänge und Schauplätze benennt. Es wird also das aufgeschrieben, was im fertigen Beitrag zu hören und zu sehen sein soll.
Es empfiehlt sich, die Geschichte (Bericht) in möglichst jede Kameraeinstellung mittels kleiner Skizzen und Kurztexte zu gliedern. Hierbei muss man eine Vorstellung des Films (Beitrags) entwickeln (abstrahieren) und die Einstellungen auch aus der Zuschauerperspektive überprüfen. Dafür bietet sich eine kleinere Diskussionsrunde an, in der alle Perspektiven des Beitrages wechselseitig eingenommen werden. Jeder sollte seine Vorstellungen klar und deutlich äußern, damit es später keine Missverständnisse bei der Umsetzung gibt. Das heißt, bei der Erstellung eines Treatments/Storyboards muss ständig zwischen den eigenen Handlungsabsichten, die durch den Film vermittelt werden sollen und dessen mögliche Wirkungen bei den potentiellen Zuschauern nachgedacht werden. Damit wird bereits vor Produktionsbeginn der Film nachvollziehbar. Themen textlich und bildlich zu beschreiben, bedeutet für die daran Beteiligten ein hohes Maß an Reflektion und Abstraktion. Ein Treatment dient wie auch ein Drehplan (fi Kapitel 3.5.) der eigenen Arbeitsorganisation.

Aspekte des Treatments:
  •  Was will der Beitrag erreichen?
  •  Spannungsbogen beschreiben,
  •  Jede Szene/jedes Bild aufgliedern,
  •  Beschreiben, was zu sehen und zu hören sein wird,
  •  Drehorte benennen,
  •  Interviews skizzieren,
  •  Kernaussagen detailliert einbringen,
  •  Länge des Beitrags (Anfangs- und Endpunkt) festlegen,
  •  Bildreiche Formulierung für größtmögliche Anschaulichkeit nutzen.

Beispiel eines Schemas für ein Treatment:


Zeit
Min./sec
Bild Ton,Text, ... TechnilkPosition


zeitlicher
Ablauf der einzelnen Szenen
und deren Abfolge etc.
 Hier wird entsprechend der Zeitachse alles beschrieben, was visuell dargestellt wird.    Hier wird alles skizziert, was die Wirkung der Bilder unterstreichtHier wird alles skizziert, was die Wirkung der Bilder unterstreicht  (u.a. O-Töne, Off-Texte, Effekte)Welche Technik wird für die Szene benötigt (Kamera, Ton, Stativ, Akkus, Bänder, usw...

fortlaufend
1,2,3,..
 
 00:00- 00:15
     
 00:15-00:23     



2.5. Praktische Voraussetzungen, Durchführung (Produktion)

Damit die Projektgruppe möglichst authentische Erfahrungen im Bereich der audiovisuellen Berichterstattung sammeln und neben dem Einblick in das redaktionelle Gestalten von Film- und Fernsehbeiträgen auch technisch einschätzen kann, unter welchen Rahmenbedingungen professionelle Berichterstattung abläuft, sollten in einem Projekt verschiedene technisch-logistische Basisbausteine vermittelt werden. Dazu gehören der Umgang mit der Kamera, das Üben von Interview- und Moderationstechniken sowie das Erstellen von Kommentaren (Off-Texten), die Dreharbeiten selbst und die Postproduktion (Schnitt und Montage, Nachvertonung).

Umgang mit der Kamera
Der praktische Umgang mit Medientechnik ist für die Mehrzahl der Heranwachsenden von großem Interesse und häufig ein Beweggrund, sich für bestimmte Themen und damit auch politische Inhalte zu interessieren sowie zu engagieren. Viele von ihnen bringen diesbezüglich bereits ein gutes Grundverständnis mit, da das Aufwachsen in einer Medienwelt ihnen von früh an bestimmte Fähigkeiten abverlangt. Auch wenn nur wenige Kompetenzen im Vorfeld vorhanden sind, fällt den meisten Jugendlichen der Zugang zur Technik leichter als der älteren Generation. Insgesamt haben sie geringere Berührungsängste. Dazu kommt noch, dass das Arbeiten mit Medien traditionelle Gruppen- und Lernformen öffnet und jedem Einzelnen mehr Gestaltungsspielraum lässt, was gerade junge Menschen sehr begrüßen.
Es empfiehlt sich, mit der Einführung in die Kameraarbeit so früh wie möglich zu beginnen. Mit einer Videokamera und einem externen Mikrofon lassen sich beispielsweise Interviews (fi Kapitel 2.4.) oder einfache Dokumentationen aufzeichnen. Wenn man sich die Einführung nicht allein zutraut, kann man bei Medienwerkstätten in seiner Umgebung nach Unterstützung fragen (fi Kapitel 5.2.). Die Kameravollautomatik ermöglicht auch Anfängern, bereits von Beginn an technisch gute Bilder zu machen. Allerdings sollte für gute Aufnahmen auf die Nutzung von Automatiken verzichtet und die Kamera manuell bedient werden. Grundsätzlich sollte beachtet werden, dass nur das aufgezeichnet wird, was man auch wirklich benötigt. Hier kann man sich gut an einem Aufnahmeverhältnis orientieren, das sich in der Praxis bewährt hat: 1:6 bis max. 1:10 . Für eine Minute fertigen Film sollten maximal zehn Minuten Rohmaterial aufgenommen werden. Ansonsten produziert man sehr viel Material, das später in der Nachbearbeitung gar nicht benötigt wird und darüber hinaus beim Sichten und Schneiden sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.
Eine weitere wichtige Faustregel beim Videodreh ist, dass man für jede Aufnahme das Stativ verwenden sollte, damit die Aufnahmen z.B. nicht verwackeln. Die Kamera sollte nur dann auf die Schulter genommen werden, wenn es zwingend notwendig ist oder im Storyboard (fi Kapitel 2.4.) gefordert wird. Die Videoaufnahmen sollten gemeinsam, auch im Hinblick auf die weitere Verwertbarkeit nach jeder Produktionsphase, ausgewertet und ggf. archiviert werden. Bei der Materialsichtung sehen alle Teilnehmer das gedrehte Material und bewerten es. Durch das unmittelbare Feedback auf das gedrehte Material werden vor allem falsche Inhalte und Einstellungen, Kameraperspektiven, Zooms, Schwenks, Fehler beim Licht sowie beim Ton unmittelbar sichtbar.

Aspekte der Arbeit mit der Kamera:
Was sollte man kennen? 

Einstellungsgrößen   

  • Totale: ganzes Objekt von „Kopf bis Fuß“,
  • Halbtotale: entsprechend die Hälfte,
  • Groß: Kopf, Hände Füße,
  • Nah/Detail: Auge, Finger, Mund,

  •  Bei der Definition dieser Einstellungen ist die Bezugsgröße entscheidend. Ein Maßstab ist z.B. die Körpergröße eines Menschen. Bei handelnden Personen, die sich in einem größeren Umfeld bewegen, bildet das Umfeld (Wohnung, Straße usw.) die Bezugsgröße für die Totale.
  • Perspektiven
  • Ausgehend von der optischen Wahrnehmung des Menschen ist die natürliche horizontale Blickachse ein Anhaltspunk. Wird diese Achse nach unten verschoben, entsteht eine Untersicht, bis hin zur Froschperspektive. Ändert sich der Kamerastandpunkt nach oben, entsteht die Draufsicht bis hin zur Vogelperspektive.
  • Grundsätzlich sollten in Dokumentationen extreme Perspektiven (Frosch- und Vogelperspektive) vermieden werden, da sie eine Einstellung verfremden können (der Interviewpartner kann dadurch möglicherweise überheblich, von oben herab oder inkompetent wirken).
  • Schwenk   
  • Die Kamera steht an einem Punkt und wird von da aus nach rechts/links oder nach oben/unten bewegt.
  • Ein Schwenk hat immer ein Anfangs- und Endbild. Auch ein Profi übt diesen, bevor er die Aufzeichnung startet.
  • Anfangs- und Endbild sollten bei der Aufnahme einige Sekunden stehen bleiben.
  • Zoom   
  • Mit der Zoomfunktion können Einstellungen variabel bzw. fließend gestaltet werden.
  • Im praktischen Umgang sollte nur gezoomt werden, wenn man sich einem Objekt optisch nicht anders nähern bzw. von ihm entfernen kann (dramaturgisches Mittel).
  • Zoomen ist kein dem Sehen nachempfundenes Element (das Auge kann nicht zoomen), deshalb sparsam damit umgehen.
  • Für den Videoschnitt können zu viele Zooms und Schwenks Probleme aufwerfen, da in diese dynamischen Einstellungswechsel nur sehr begrenzt geschnitten werden kann!
  • Fahrt   
  • Die Kamera fährt (geht) vorwärts/rückwärts, links/rechts, hinauf, hinunter.
  • Kamerafahrten werden häufig zu einer zusätzlichen Dynamisierung genutzt.
  • Für gute Kamerafahrten sind ein Kamerakran bzw. Schienen, Dolly (Kamerawagen) erforderlich.
  • Licht   
  • Kameras sind heutzutage sehr lichtempfindlich und brauchen unter normalen Lichtverhältnissen keine zusätzlichen Aufhellungen (Belichtungsautomatiken), außer bei Innenaufnahmen (u.a. im Studio).
  • Bei normalen Kameras ist die Belichtung automatisch optimal eingestellt, wenn bei der Kamera die Automatikfunktion gewählt ist.
  • Bildgestaltung   
  • Kameraoptiken beschränken die Bildausschnitte. Deshalb müssen die Ausschnitte so gestaltet werden, dass möglichst genau das zu sehen ist, was der Kameramann oder Redakteur in diesem Ausschnitt aufnehmen will (fi Kapitel 2.5). 
  • Mit den beschriebenen technischen Mitteln (Fahrt, Zoom, Licht u.a.) können zusätzliche Effekte erzeugt werden, die für die Bildgestaltung eine wichtige Rolle spielen.
  • Stichworte für Bildgestaltung sind: Horizontlinie, Achsensprung, Goldener Schnitt, Bewegung, Vielfalt bei Einstellungsgrößen (ggf. kann man hierzu in zahlreichen Büchern weiterführende Anregungen finden).
  • Ton  
  • Der Ton ist die zweite Wahrnehmungsebene audio-visueller Produktionen.
  • Bild und Ton bilden eine Einheit, können aber in der Postproduktion (Video- und Audiospur) getrennt verarbeitet werden (zusätzliche Tonelemente, Bild ohne Ton, Ton mit anderem Bild u.a.m.).
  • Kameramikrofone nehmen meistens nur den Raumton auf. 
  • Externe (Richt)Mikrofone verbessern die Qualität der Tonaufnahmen und sind z.B. für gute Interviews eine zwingende Voraussetzung.
  • Der Aufnahmeton sollte während des Drehs immer (mit Kopfhörer) kontrolliert werden.
Weiterführende Literatur ist im Anhang zusammengestellt (fi Kapitel 5.1.).

Interview, Moderation,
Ein wichtiges Basiselement für die Erstellung eines Film- oder Fernsehbeitrages sind Interviews und Moderationen. Man sollte diese Bestandteile, bevor man den endgültigen Beitrag fertig stellt oder Experten zum gewählten Thema zu Wort kommen lässt, üben, damit bei der Produktion möglichst keine Pannen entstehen. Das heißt, eine gute Handhabung der ‚Werkzeuge’ Interview und Moderation stellt eine zentrale Voraussetzung für einen guten Beitrag bzw. eine Sendung dar. Die Aufnahmen können Bestandteile des Beitrags, des Films oder der Fernsehsendung sein, je nach Vorhaben und Themenschwerpunkt.

Interview
Das Interview ist eine journalistische Stilform, die in fast allen Dokumentarfilmen und Fernsehbeiträgen eine große Rolle spielt. Das Interview ist daneben nicht nur eine Darstellungsform, sondern auch eine Form des Recherchierens. Interviews unterscheiden sich in ihrer Qualität jedoch erheblich und haben auch unterschiedliche Funktionen:
 
- Experteninterviews: Hier wird weiterführendes Fachwissen abgefragt, das das Thema bzw. die Argumentationslinie des Beitrags unterstützt (entsprechend der eigenen Handlungsabsicht).

- Betroffeneninterviews: Hier stehen „Emotionen“ im Vordergrund. Gefühle dienen der Nachempfindung und der Identifikation für den Zuschauer.

- Straßeninterviews: Dabei werden allgemeine Stimmungsbilder abgefragt. Sie sind gut geeignet für die inhaltliche Bereicherung und Strukturierung von Podiumsdiskussion z.B. in Studiosendungen.

Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Interviewformen. Im Wesentlichen muss man sich über die Funktion der Äußerungen klar sein. Diese dienen der Vertiefung oder Unterstreichung der Aussage (Intention) des Beitrags. In keinem Fall dürfen diese Aussagen als repräsentativ (allgemein gültig, übertragbar) dargestellt werden.
Den meisten Äußerungen (O-Töne = „Originaltöne“) liegen Fragen zugrunde, deshalb kommt der Art der Fragestellung besondere Bedeutung zu. Als Interviewer verfolgt man immer eine Intention. In den Fragen dürfen eigene Bewertungen nicht enthalten sein. Die Fragen sollten so formuliert werden, dass der Interviewte nicht lediglich mit ja/nein/vielleicht antworten kann. In der Regel wird bei Umfragen mit offenen Fragen gearbeitet (z.B. „Was sind die Auswirkungen dieser politischen Regelung für die Betroffenen? Was haben Sie konkret vor, um die entstandenen Mißstände zu beseitigen?“).
Neben der Qualität der Aussagen müssen die Bezüge zu den Themen stimmen. Es können bei Massenumfragen nur inhaltlich/thematisch vergleichbare Antworten hinter- oder gegeneinander geschnitten werden. Bei Straßenumfragen sollten nur wenige Fragen formuliert werden, die dann allen Interviewten gleichermaßen gestellt werden.
Technisch sind hierzu lediglich eine Kamera und ein externes Mikrofon notwendig. Personell reicht dazu ein Kameramann und ein Interviewer (Redakteur). Bei sehr wichtigen Interviews, die nicht wiederholbar sind, sollte man einen Tonassistenten ins Team integrieren, der während der Aufnahme ständig den Ton kontrolliert. Vor allem bei Interviewsituationen, in denen schnell reagiert werden muss, empfiehlt es sich, die Kamera zu schultern und kein Stativ zu benutzen.
Bevor man allerdings zur Aufnahme von Interviews kommt, die später tatsächlich Verwendung finden werden, sollte man die verschiedenen Interviewformen in der Gruppe wechselseitig üben. Dadurch wird man sicherer. Außerdem testet man gleich, ob die Fragen, die man sich für das entsprechende Thema überlegt hat, auch gut zu beantworten sind.

Moderation
Die Moderation ist eine besondere Form, die man nicht in jedem audiovisuellen Projekt benötigt. Sie spielt insbesondere bei Fernsehsendungen mit Publikum oder Diskussionsrunden eine entscheidende Rolle. Der Moderator führt den Zuschauer und die Gäste durch die Sendung. Mit kurzen An- oder Abmoderationen, die stichwortartig auf Karteikarten notiert sind, werden die Beiträge oder Themenblöcke eingeleitet bzw. vom einem zum anderen übergeleitet. Der Moderator muss die Inhalte gut kennen und die Ansagen mit der Projektgruppe absprechen. Die größte Herausforderung ist die inhaltliche Vorbereitung:

- Es gilt, sich so vorzubereiten, dass passende Fragen formuliert sind und gleichzeitig situativ reagiert werden kann.
- Dafür ist u.a. ein Vorgespräch mit den eingeladenen Gästen hilfreich und meist erforderlich.
- Wichtig ist vor allem auch, sich auf die einzelnen Gäste vorzubereiten. Das heißt, man muss die Hauptthesen des Gastes kennen und eigentlich schon vorher wissen, was er antworten könnte.
- Ein wichtiger Grundsatz ist: der Moderator ist nicht selbst Experte, sondern Anwalt des Zuschauers.
- Eine gute Vorbereitung ist dann erfolgt, wenn Moderator und Aufnahmeleiter vor der Sendung alle technischen und inhaltlichen Aspekte miteinander abgestimmt haben.

Natürlich können Moderatoren auch aufgeregt sein. Bei Versprechern hilft ein freundliches Lächeln oft weiter. Im Vorfeld kann man Gesprächssituationen simulieren. Die Projektteilnehmer können beispielsweise vorab kleinere Gespräche zum gewählten Thema entwickeln (Pro und Contra) und diese abwechselnd in der Rolle des Moderators bzw. des Gesprächspartners durchspielen. Eine anschließende Analyse macht Spaß und ist lehrreich.

Dreharbeiten (Aufnahmen)
Nachdem alle Elemente, die der Vorbereitung dienen, abgeschlossen bzw. geübt sind (fi Kapitel 2.2. -2.5.), kann mit dem Aufnehmen begonnen  werden. Hierfür muss aus dem Treatment bzw. Storyboard (fi Kapitel 2.4.) ein Drehplan entwickelt werden (fi Kapitel 3.5.). Dies ist notwendig, da die Aufnahmen in aller Regel nicht in der Chronologie des Films produziert werden. Alle Beteiligten sollten ihre Aufgabe kennen und sich über einen abschließenden Blick auf das Treatment/Storyboard bzw. den Drehplan vergewissern, dass alle Teilaufgaben erledigt sind bzw. alles an seinem Platz ist. Die Dreharbeiten sind nichts anderes als die Umsetzung dessen, was in den Ablaufplänen aufgeschrieben wurde. Alles, was darin geplant wurde, sollte jetzt Schritt für Schritt nach dem Drehplan gedreht werden. Geht es beispielsweise um das Drehen eines Filmbeitrags (Bericht, Dokumentation, Portrait, Reportage), müssen alle Interviews gemacht und die geplanten Bilder (für Zwischenschnitte oder Off-Töne) aufgenommen werden. Natürlich können sich auch immer spontan Bilder oder Motive sowie zusätzliche Fragen für Interviewpartner ergeben. Hierfür sollte immer ein gewisser Spielraum bleiben. Neuerungen oder Änderungen sollten dennoch im Drehplan schriftlich festgehalten und begründet werden, so dass man die Abweichungen später gut nachvollziehen kann.
Bei den Dreharbeiten kann, je nach Projektziel, das Material für einen geschlossenen Beitrag aufgenommen werden oder Bildmaterial für Einspieler (Maz-Beiträge = Magnetaufzeichnungen) für eine Fernsehsendung. Erfahrungsgemäß ist es nützlich, dabei aussagekräftige Bilder für den Start und das Ende der Beiträge zu suchen und aufzunehmen.

Postproduktion (Schnitt, Nachvertonung, Kommentare)
Bei Dreharbeiten entsteht Videomaterial, das nachbearbeitet werden muss. Das gilt hier insbesondere für die Einspielfilme (MAZ-Beiträge) für eine live produzierte und ausgestrahlte Sendung. Dass heißt, das Rohmaterial muss gesichtet und die Aufnahmen, die man für den Beitrag verwenden will, müssen geschnitten, ggf. nachvertont bzw. mit Kommentaren sowie Musik und/oder Geräuschen unterlegt werden.

Schnitt und Montage
Für die Montage des gedrehten Materials sollte die gesamte Projektgruppe (Redaktion, Produktion) gemeinsam agieren, jedenfalls beim Sichten des Materials und beim Festlegen, was im Beitrag zu sehen sein soll. Hier fallen journalistische und technische Kompetenzen zusammen. Das Schneiden von Videomaterial besteht im Wesentlichen aus der Montage des Materials mit Hilfe von Schnittsoftware auf dem Computer (Schnittprogramme: z.B. Avid-DV, Adobe Premiere, Movie Maker, I-Movie oder Final Cut Pro). Für die Postproduktion ist es empfehlenswert, dass man für die ersten Schnitt-Schritte Unterstützung bei den Offenen Kanälen oder in den regionalen Medienwerkstätten (fi Kapitel 5.2.) anfragt. Diese bieten regelmäßig Einführungen in den Umgang mit Schnittprogrammen an. Um auch ohne Hilfe schneiden zu können, kann man mit einfachen Übungen beginnen. Eine grundlegende Montagetechnik ist beispielsweise der Hartschnitt. Man kann einfach gedrehte Übungen in verschiedenen Varianten schneiden. Danach kann man sich das Ergebnis ansehen und analysieren. Die meisten Menschen verfügen über Film- und TV-Sehgewohnheiten, deshalb fällt ihnen durchaus auf, was ungewohnt ist. Mit ein wenig Übung wird in der Regel deutlich, welche Schnitte gut funktionieren und welche nicht.
Die Montage des Bildmaterials beinhaltet sowohl handwerkliche als auch kreative Aspekte: Es geht grundsätzlich um die Zusammenstellung und das Aneinanderfügen von Bild- und Tonsegmenten. Dennoch kann man den technischen Vorgang, der das Zusammenfügen und Auseinandernehmen von Bildern beschreibt, theoretisch vom kreativ-künstlerischen Aspekt unterscheiden, der die Anwendung von Gestaltungselementen (Farben, Blenden, Effekte, Musik etc.) meint, die die Wirkung des Berichts unterstützen und ggf. verändern können. Beim Schneiden und Montieren des Videomaterials werden auch Grenzen der natürlichen Wahrnehmung sowie auch Manipulationsmöglichkeiten sichtbar, d.h. durch Bildmontage kann man Bilder und Aussagen in einen komplett veränderten Kontext stellen. Aus medienpädagogischer Perspektive kann es ein wichtiges Projektergebnis sein, wenn man sich neben dem politischen Aspekt eines Filmbeitrages auch mit der Rolle von Medien und deren Wirkungsmechanismen auseinandersetzt.

Nachvertonung, Kommentar (Off-Text)
Nachvertonung von Bildmaterial bedeutet z.B., dass man einerseits schlechte Gesprächssequenzen noch einmal extra aufnimmt und diese dann unter die entsprechenden Bilder legt. Anderseits kann man durch Musik und andere Töne Aussagen durch die Nachvertonung verstärken oder relativieren. Es empfiehlt sich, die Nachvertonung z.B. mit einem Kommentartext erst ein paar Tage nach Beendigung des Schnitts ggf. in einer Sprecher- oder Tonkabine durchzuführen. Man hat dann bereits genügend zeitlichen Abstand zu den Bildern und kann deren Wirkung besser einschätzen. Die Nutzung einer Tonkabine erhöht die Qualität der Aufnahme.
Als Kommentartext bezeichnet man konkret diejenigen Textpassagen in einem Film, die über das Bildmaterial gesprochen werden. Dabei ist darauf zu achten, dass  keine Redundanzen entstehen (der Text soll nicht beschreiben, was ohnehin im Bild zu sehen ist), und dass das Gesagte zum Bild passt. Für die Aufnahmen des Off-Textes sollte eine Ton-Kabine (bzw. ein akustisch toter Raum) genutzt werden. Um gute Kommentare für den Beitrag zu erhalten, kann das Aufnehmen der Texte und die Bild-Ton-Wechselwirkung vorab geübt werden. Eine montierte Sequenz (verschiedene Einstellungen aus einer Szene) können dabei beispielhaft von den Teilnehmern betextet werden. Die anschließende Analyse (Bild und Text) macht dann anschaulich, welcher Text am besten zu den Bildern passt.
Sowohl bei der Nachvertonung als auch bei den Kommentaren ist die Gefahr der Manipulation gegeben. Hier sollte entsprechend den tatsächlichen Interviewaussagen und Rechercheergebnissen verantwortungsvoll mit den Bildern und Tönen umgegangen werden, denn man hat hier eine Verantwortung den Interviewpartnern, dem Zuschauer aber auch dem gewählten Thema gegenüber.

Tipps für die Nachvertonung/Kommentartext
  • An den „richtigen“ Stellen Pausen machen, das bewirkt ein Nachdenken über das Gehörte und Gesehene beim Zuschauer,
  • Bilder oder Geräusche mit einer großen Wirkung nicht übertexten,
  • Kurze Sätze formulieren,
  • Fremdwörter vermeiden,
  • Namen und Bezeichnungen genau in dem Moment hinein schneiden, wenn die Person bzw. das Objekt auch im Bild ist (nicht vorher, nicht danach),
  • Originaltöne (authentische Aussagen) nach Möglichkeit der Kommentierung vorziehen.

Live-Sendung
Entsprechend dem im nachfolgenden Kapitel (fi Kapitel III.) beispielhaft ausgeführten Projekt „Fernsehsendung zur Oberbürgermeisterwahl in Rostock 2005“ soll hier etwas ausführlicher auf eine besondere Umsetzungsform, die der Studio-Live-Sendung, eingegangen werden.
Ähnlich den Dreharbeiten für einen Filmbeitrag, muss auch für eine Live-Sendung alles gut vorbereitet sein. Der Sendeablauf bzw. die inhaltliche und zeitlich-logistische Planung (fi Kapitel 2.6.) muss weit vor dem Sendstart vorliegen, und alle an der Sendung aktiv Mitwirkenden (Kameraleute, Aufnahmeleitung, Tontechniker, Moderatoren u.a.) müssen ihn kennen. Alle Filmbeiträge, der Sendetrailer (Vorspann), die Ton- und Kameratechnik, die Textblöcke für einzelne Sendesequenzen, die Fragen der Moderatoren, die Beleuchtung, möglicherweise die Maske, die Bestuhlung, die Studiodekoration u.v.m., sollten geplant, geprüft und mindestens eine Stunde vor Sendebeginn fertig sein. Wenn alles vorhanden ist, kann die Sendung beginnen. Für eine gute Sendung bzw. harmonische, technisch hochwertige Aufnahmen kommt es auf ein gutes Zusammenspiel der einzelnen Positionen an (Kamera, Bildregie, Senderegie, Ton, Licht, Moderation etc.). Gespräche während der Sendung sollten auf das Nötigste reduziert werden, bzw. es können auch im Vorfeld zwischen dem Aufnahmeleiter und den Moderatoren Zeichen vereinbart werden, mit denen man sich wortlos verständigen kann (z.B. Hand hochhalten für den Moderator und die verbleibenden Minuten zum Filmbeitrag „abzählen“).
Neben all diesen technisch-logistischen Rahmenbedingungen sollte allerdings das Projektziel, die Auseinandersetzung mit dem Thema der Sendung, nicht aus den Augen verloren werden. Die zur Sendung geladenen Gäste sollten bis zum Sendstart gut betreut werden. Hier hat sich beispielsweise bewährt, dass die Moderatoren im Vorfeld bereits mit den Gästen, aber auch mit dem anwesenden Publikum ins Gespräch kommen.
Wenn gemäß dem Sendeplan alle Fragen gestellt, alle Gäste zu Wort gekommen sind, die geplanten Filmbeiträge eingespielt sind und alles „im Kasten“ ist, hat man die Arbeit von vielen Wochen Vorbereitung mit einer Fernsehsendung zum selbstgewählten Thema abgeschlossen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass für eine Fernsehsendung, die darüber hinaus live ausgestrahlt wird, natürlich ein Fernsehstudio benötigt wird. Nicht in jeder Stadt hat man solche Rahmenbedingungen, dennoch lohnt sich für ein solches Vorhaben, bei den Offenen Kanälen anzufragen, diese stellen ihre Räume und ihr technisches Equipment sowie Personal unter bestimmten Bedingungen jedem Bürger des Landes zur Verfügung. Auch in der Medienwerkstatt Rostock, im Landesfilmzentrum Wismar oder bei ELF-TV in Laage ist mobile Studiotechnik vorhanden und kann in Kooperationsprojekten genutzt werden (fi Kapitel 5.2.).


2.6. Projektpräsentation

Ist der Filmbeitrag oder die Fernsehsendung fertig, sollte sich die Projektgruppe im Anschluss daran zusammensetzen und gemeinsam den Projektverlauf nachbesprechen (Feedback). Es ist für alle Teilnehmer hilf- und lehrreich, den Prozess zu reflektieren, eigene Erfahrungen zu formulieren, Probleme zu thematisieren oder Verbesserungsvorschläge zu machen. Stichwortartig sollten die Ergebnisse der Auswertungsrunde festgehalten werden, um für ein Folgeprojekt Schwierigkeiten entgegenzuwirken oder besonders positive Erfahrungen nutzen zu können. Gemeinsam sollte man darüber nachdenken, wie man das Projektergebnis einem Publikum präsentieren kann. Hier gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, je nach Zielstellung und Thema des Projektes.

Man kann eine Veranstaltung für Eltern, Lehrer, Kollegen organisieren, um über das Projekt zu 
   sprechen und das Produkt zu zeigen.

Man kann aber auch zu dem Thema einladen, von dem der Beitrag handelt und ihn als
   thematischen „Starter“ oder „Diskussionsbeitrag“ nutzen.

Man kann den Beitrag als Sendebeitrag bei den Offenen Kanälen anmelden oder als Diskussionsgrundlage bzw. Lehrmaterial in Seminaren und Workshops einsetzen sowie
eine Studio-Live Sendung durchführen (u.a.).

Erfahrungsgemäß sollte jedes Filmprodukt mit einer Präsentation bzw. Ausstrahlung abgeschlossen werden, denn einerseits erhöht die Tatsache, einem Publikum das Projektergebnis zu zeigen, die Ernsthaftigkeit, sich mit einem Thema gründlich auseinander zu setzen, da ein Publikum immer auch eine Art Jury ist, die sich mit der aufgeworfenen Fragestellung oder Argumentationslinie kritisch beschäftigen kann und wird. Andererseits erhöht das Wissen, dass sich an das Projekt eine Präsentation in der Öffentlichkeit anschließt, auch die Motivation und das Engagement der Teilnehmer im Projektverlauf, da sie immer interessiert sind, wie die Reaktion auf ihre Arbeit ausfallen wird.
Insbesondere für den Ansatz der politischen Bildung in einem audiovisuell orientierten Projekt, ist eine Abschlusspräsentation sehr nützlich. Denn ein medial aufbereitetes politisches Thema bzw. eine Film- oder Fernsehsendung zu gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen u.a. Inhalten bzw. Fragestellungen kann ein guter Diskussionseinstieg sein und ggf. besser als klassische Vermittlungsformen (Frontalunterricht, Vortrag, Seminar etc.) das Thema behandeln. Die audiovisuelle Darstellung bzw. Aufbereitung politischer Inhalte bietet nicht nur für die Teilnehmer eine lehrreiche und produktorientierte Arbeitsweise, sondern auch eine anschauliche Aufbereitung des Themas für die Zuschauer. So hat ein Film- oder Fernsehbeitrag durchaus nachhaltige Synergieeffekte und kann andere motivieren, sich in gleicher oder ähnlicher Form mit ihren Themen und Fragen zu beschäftigen.


2.7. Allgemeine Übersicht der Teilbereiche

Arbeitsbereiche     Inhalte
Projektbeginn     ∑ Teilnehmer gewinnen,
∑ Starttreffen organisieren (Themen exemplarisch vorstellen,[non]fiktionale Filmbeiträge sehen, einordnen und bewerten),
∑ Brainstorming, Ideenfindung durchführen,
∑ Vorerfahrungen/Kompetenzen herausfinden und in das Projekt einbinden,
∑ ggf. technische und. redaktionell-journalistische Einführungsseminare bzw. -übungen anbieten,
∑ Arbeitsgruppen/Teams bilden (Redaktion, Produktion),
Organisations- und Zeitplan erstellen (Termine, Verantwortungen, was wird benötigt u.a.).
Redaktion    ∑ Projektidee weiterführend diskutieren,
∑ Exposè erstellen und abschließend diskutieren,
∑ Recherchearbeiten, Fakten ermitteln (Literatur, Zeitungen, Internet, Interviews u.a.),
∑ Treatments, Storyboards erstellen,
∑ Drehplan erstellen, um die konkreten Handlungsschritte zu fixieren,
∑ Interviews vorbereiten und ggf. durchführen (offene Fragen, unterscheiden zwischen Experten-, Betroffenen- und Straßeninterview).
Produktion    ∑ Abschließende Kamera- Interview- und ggf. Moderationsübungen machen,
∑ Technikeinsatz, Technikdisposition, Technikcheck planen und durchführen (Kabel, Ton, Geräteaus- und -eingänge u.a.),
∑ Aufgaben im Team verteilen,
∑ Dreharbeiten (Interviews, Bilder) nach dem Drehplan und spontane Aufnahmen machen (Bildgestaltungskomponenten, Perspektiven, Kamerafunktionen, wie Zoom, Schwenks, Licht u.a. beachten).
∑ Sonderform Studio-Live-Sendung:
o Aufnahmen werden live ausgestrahlt,
o Sendeablauf ist allen Mitwirkenden bekannt,
o Gäste sind eingeladen und vorbereitet,
o Plätze für Publikum sind eingeplant und vorhanden,
o Technikdisposition und -check im Fernsehstudio (Kameras, Ton, Licht, Bildregie u.a.),
o Teamarbeit (alle Teilnehmer agieren zeitgleich und auf den Punkt genau),
o alle Einspieler (Filmbeiträge), der Trailer, die Textblöcke sind vorbereitet und können abgespielt werden,
o Moderator muss sich gut auf die Gäste vorbereiten (Fragekärtchen, Absprachen mit dem Sendeverantwortlichen/Aufnahmeleiter),
o Vor- und Abspann sind vorbereitet und können im Anschluss abgespielt werden,
o Untertitel- bzw. „Bauchbinden“ sind vorbereitet.
Postproduktion    ∑ Das Schneiden kann an Probematerial geübt werden,
∑ Aufnahmen werden auf den Computer gespielt (Leistungsstarker PC, Schnittsoftware),
∑ der Beitrag wird entsprechend dem Treatment/Storybord fertig gestellt,
∑ Gestaltungselemente zusätzlich einbinden (Effekte, Farben, Blenden),
∑ Bildmaterial ggf. nach vertonen und Off-Texte aufnehmen und anlegen (Töne, die Bilder kommentieren),
∑ fertigen Beitrag auf Datenträger kopieren bzw. sichern (Kassette, Mini-DV-Band, CD oder DVD).
Auswertung, Präsentation    ∑ Teilnehmer schauen gemeinsam den Beitrag oder die Sendung,
∑ Diskussion über Fragen, Verbesserungsvorschläge, Probleme, positive Erfahrungen initiieren, öffentliche Präsentation planen,
∑ Verschiedene Präsentationen sind möglich (Kinovorführung, thematische Veranstaltung, Seminar, Workshop, Ausstrahlung in den Offenen Kanälen, Einsatz als Lehr- und Lernmaterial),
∑ Abschluss des Projektes.


III. Wahlsendung zur Oberbürgermeisterwahl in Rostock 2005


Es würde den zur Verfügung stehenden Rahmen dieser Broschüre sprengen, hier die Produktion einer Live-Studio-Sendung für das Fernsehen im medienpädagogischen Prozess in ihrer ganzen Komplexität darstellen zu wollen. Insoweit wird auf die allgemeinen Darstellungen in Kapitel II. verwiesen, die als Leitfaden dienen können. Dem Leser, der ein ähnliches Projekt in der Praxis in Angriff nehmen will, wird die Zusammenarbeit mit Einrichtungen empfohlen, die über die einschlägigen Erfahrungen und die notwendigen Voraussetzungen verfügen, wie die Offenen Kanäle, deren mobile „Medientrecker“, die Medienwerkstätten vor allem in Rostock, Schwerin, Wismar, Neubrandenburg, Grevesmühlen, Laage (fi Kapitel 5.2.).

Im Wesentlichen umfasst die Herstellung einer Fernsehsendung folgende wesentlichen Produktionsschritte, die sowohl auf die Sendung als Ganzes als auch auf ihre einzelnen Teile anwendbar sind:

Konzeption     Æ    Recherche    Æ    (Vor-)Produktion    Æ    (Live-)Sendung

Dabei steht eine erschöpfende, inhaltliche Bearbeitung der Themen im Mittelpunkt der Arbeit. Es geht also nicht nur um die Produktion eines Beitrages, sondern die einzelnen Schritte sollten genutzt werden, um das Thema der Sendung umfassend und dessen mediale Umsetzung vertiefend zu erarbeiten.
Da neben der politischen Bildungsarbeit insbesondere auch medienbildende Zielstellungen berücksichtigt werden mussten, flossen in die Vorbereitung der Sendung auch seminaristische Arbeitsformen, wie Studioeinweisungen bzw. -übungen, Seminare zu empirischer Sozialforschung und Durchführung von Umfragen etc. ein. Auf eine methodische Darstellung dieser Teile wird hier verzichtet, da sich dazu in der medienpädagogischen bzw. sozialwissenschaftlichen Literatur nahezu alles Wissenswerte  finden lässt (fi Kapitel 5.1.).
Die Autoren beschränken sich auf die exemplarische Darstellung von einigen Abläufen und Beispielen.


3.1. Projektgruppe

Die meisten Teilnehmer, die am Projekt „Wahlsendung“ beteiligt waren, trafen sich bereits regelmäßig im Rahmen der Politikredaktion „NordPol“ und verfügten über eine Reihe praktischer Erfahrungen mit der Produktion von Fernsehsendungen. Viele Teilnehmer konnten auch bereits Erfahrungen mit der medialen Umsetzung lokalpolitischer Inhalte in vorausgegangenen Produktionen sammeln. Die Redaktion (Projektgruppe) besteht bis heute im Wesentlichen aus engagierten Jugendlichen im Alter von 15-26 Jahren, die sich für Fernseharbeit interessieren – die einen mehr in technischer, die anderen schwerpunktmäßig in inhaltlich-journalistischer bzw. politischer Hinsicht. Ihre bisherige Arbeit in der Redaktion konzentrierte sich bis dahin auf Recherchearbeiten (fi Kapitel 2.4.) und  Produktionen (fi Kapitel 2.5.) zu aktuellen lokalpolitischen Themen der Hansestadt Rostock. Im Vordergrund stand die direkte Begegnung der Jugendlichen mit Politikern des Stadtparlaments im Medium Fernsehen. Die Jugendlichen hatten damit die Möglichkeit, an öffentlichen Debatten aktiv teilzunehmen und politische Prozesse jugendgerecht und medienorientiert zu reflektieren und zu verarbeiten. Die von den Jugendlichen selbst gestalteten politischen Fernsehmagazine wurden im Rostocker Offener Kanal und anderen Lokalsendern in M-V ausgestrahlt. Unterstützt und begleitet wurden die Jugendlichen von einem freien TV- Redakteur und Mitarbeitern der TV-Werkstatt am rok des Instituts für neue Medien Rostock und des Offenen Kanals Rostock (fi Kapitel 5.2.)

Die Projektgruppe gliederte sich in eine Technikcrew und eine redaktionell arbeitende Gruppe, wobei es keine scharfe Trennung gab. Aus beiden Gruppen übernahmen auch immer wieder einzelne Teilnehmer Aufgaben in den jeweils anderen Arbeitszusammenhängen. Für jede Produktion wurden also die Karten neu gemischt und die Aufgaben nach jeweiligen Erfordernissen und Gegebenheiten neu verteilt.
Um das Projekt „Wahlsendung“ umsetzen zu können, warb die NordPol-Redaktion um engagierte Mitstreiter. Neben Studenten und Schülern zeigten insbesondere engagierte jugendliche Vertreter von Jungorganisationen der Parteien Interesse an der politischen Fernseharbeit.
Für die hier beschriebene Produktion kam ein neues Aufgabengebiet hinzu: die Realisierung, Auswertung und Veröffentlichung einer Telefonumfrage unter den Rostocker Wahlberechtigten (fi Kapitel IV.). Da dazu weder die personellen Ressourcen der NordPol-Gruppe ausgereicht hätten, noch die notwendigen Kenntnisse vorhanden waren, um dieses Teilprojekt zu realisieren, musste quasi eine dritte Teilgruppe gebildet werden.
Hierzu wurde speziell für diese Aufgabe öffentlich geworben. Es meldeten sich überwiegend Studierende der Sozialwissenschaften der Universität Rostock, die dann diesen Teil der Vorproduktion in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion realisierten.
Damit waren alle fachlichen und personellen Voraussetzungen im Wesentlichen vorhanden, um die Idee einer komplexen Wahlsendung mit Studiogästen (Live-Talk), Moderation, Experteninterviews (live), der Präsentation und Interpretation von Umfrageergebnissen, Einspielfilmen u.a.m. unter Beteiligung von Studiopublikum zu realisieren.


3.2. Projektidee

Die Idee, eine Fernsehsendung zur Oberbürgermeisterwahl 2005 i.d.S. zu realisieren, entstand auf der Basis von Erfahrungen mit ähnlichen Projekten. Beispielsweise wurden im Juni 2004 im Rahmen der Bürgerschaftswahlen in Rostock Vertreter der Bürgerschaft zu einer Fernsehsendung „Junge Abgeordnete im Gespräch mit der Präsidentin der Bürgerschaft“ eingeladen. Nach der Realisierung und Ausstrahlung dieser Diskussionsrunde waren die jungen Redakteure so hoch motiviert, dass sie gleich eine weitere Sendung zum Thema Hartz IV in Angriff nahmen, die im Herbst 2004 ausgestrahlt wurde. Beide Sendungen, und vor allem die damit gewonnenen Erfahrungen, bildeten die Grundlage und Motivation für die Sendung zur Oberbürgermeisterwahl in Rostock im Frühjahr 2005. Die Idee wurde schnell konkret und es wurde festgelegt, dass vor der Wahl alle Kandidaten in der Sendung zu Wort kommen sollten.
Die neue Qualität und Herausforderung in der lokalpolitischen Fernseharbeit im Offenen Kanal bestand in der anfangs belächelten Idee, es den „richtigen“ Sendern „zu zeigen“ und selbst eine Wählerbefragung durchzuführen und mal zu schauen, wie das mit den Stimmungsbildern wirklich ist.
Nach Gesprächen mit Hochschullehrern der Universität und deren überraschend hohem Interesse, so etwas tatsächlich einmal praktisch und wirklichkeitsnah zu machen, stieg die Motivation der Projektgruppe sprunghaft. Mit der Zusage der Unterstützung seitens der Universität waren alle Voraussetzungen gegeben, die bisherige Fernseharbeit um ein neues Element zu bereichern und damit die Wahlberichterstattung im Bürgerfernsehen auf eine neue Qualität zu heben.
Für diese Idee konnten auch die Landeszentrale für Politische Bildung  (fi Kapitel 5.2.) sowie die Konrad-Adenauer-Stiftung (fi Kapitel 5.2.) begeistert und gewonnen werden, die das Experiment unterstützten und begleiteten.


3.3. Motivation und Zielsetzung für die Wahlsendung

Eine Sendung zur Wahl eines neuen Stadtoberhauptes – unmittelbar vor dem Wahltag zur besten Sendezeit - war für die Redaktion besonders motivierend. Es war zu erwarten, dass das öffentliche Interesse an dem Thema und an der Sendung noch größer sein würde als bei den Bürgerschaftswahlen 2004. Darüber hinaus würde die Stadtöffentlichkeit – die TV-Zuschauer – eine solche Sendung besonders intensiv verfolgen und beurteilen. Die Bedeutung der Wahl für die Stadt und die Erwartungen des Fernsehpublikums mussten bei der Planung und Entstehung der Sendung Berücksichtigung finden.

Damit übernahm die Projektgruppe ein hohes Maß an gesellschaftlicher und damit politischer Verantwortung. Auch auf lokaler Ebene können entsprechende Fernsehsendungen im Bürgerfunk zur politischen Meinungs- und Willensbildung nicht unwesentlich beitragen, weil sie eben von Bürgern für Bürger gemacht werden und sich oft viel näher am so genannten „wirklichen Leben“ orientieren.
Im Ringen um die Gunst der Wähler sind zunehmend auch Meinungs- und Stimmungsbilder im Wahlkampf von Bedeutung. Diese sind einerseits für die Wähler und andererseits für die Kandidaten wichtig. Es entstand der Anspruch, eine eigene Wählerbefragung durchzuführen und deren Ergebnisse in der Sendung zu präsentieren und zu interpretieren.
Die Sendung sollte also insbesondere die direkte Teilhabe an der Demokratie erlebbar machen und Die Möglichkeit eröffnen, aktiv in das politische Geschehen aktiv einzugreifen.

Zielsetzung für die Studiosendung war insbesondere:

∑ Entwicklung eines eigenen Sendeformates für eine Wahlsendung im Bürgerfernsehen,
∑ Schaffung von Transparenz bezüglich politischer Willensbildungsprozesse,
∑ Vorstellung der Kandidaten und ihrer Kompetenzen in den Kernbereichen Soziales, Kultur, Finanzen,
∑ Darstellung der politischen Zielsetzungen der Kandidaten,
∑ Ermittlung eines aktuellen Stimmungsbildes durch eine eigene Wählerbefragung und dessen Veröffentlichung und Kommentierung,
∑ Einladung der Spitzenkandidaten in eine Live-Talk-Runde im Offenen Kanal am „Vorabend“ der Wahl,
∑ Abbau von Hemmschwellen und Berührungsängsten zwischen Politikern und Machern von Bürgermedien,
∑ Einüben und Erleben von Möglichkeiten, als Bürger an demokratischen Willensbildungsprozessen aktiv teilnehmen zu können.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass die Sendung live produziert und ausgestrahlt werden sollte.


3.4. Organisation und Zeitplanung der Wahlsendung

Jede Fernsehsendung und jedes Videoprojekt, insbesondere in der Medienpädagogik, folgt neben allgemeinen Regeln (technologischen, organisatorischen Ablaufregeln) einer Eigenlogik. So gibt es keine auf alle Produktionen gleichermaßen anwendbaren Regeln. Bei der Erarbeitung der OB Wahl-Sendung hat sich die nachfolgend beschriebene Vorgehensweise bewährt (fi Kapitel 2.5.).

Sendetermin festlegen
Im ersten Schritt wurde ein Sendetermin diskutiert. Zu diesem Zeitpunkt – Ende November 2004 – standen noch nicht alle Kandidaten, die sich der Wahl stellen wollten, fest. Die Bewerbungsfrist endete erst im Januar 2005. Lediglich vier Bewerber wurden relativ früh nominiert. Diese erfuhren nur zum Teil von den in der Bürgerschaft vertretenen Parteien Unterstützung. So wurde Senator Schörken von der CDU, Senatorin Schillen von der PDS und Senator Schröder von der SPD favorisiert und aufgestellt, wobei dieser auch vom Bündnis 90 Zuspruch erhielt. Als parteipolitisch unabhängiger Kandidat trat Roland Methling an. Wie sich später herausstellte, waren das auch die vier „politischen Schwergewichte“ des Wahlkampfes.

Der Sendetermin wurde auf den Donnerstag vor der Wahl (24.02.2005) festgelegt. Ein Grund dafür war die Nähe zum Wahltermin, die ein größtmögliches Interesse der Öffentlichkeit erwarten ließ. Außerdem sollte durch die frühzeitige Einladung die Terminplanung der Gäste berücksichtigt sowie deren Teilnahme an der Gesprächsrunde gewährleistet werden. Der Sendestart wurde auf 18:30 Uhr festgelegt und ein zeitlicher Rahmen von 120 Minuten für die Sendung eingegrenzt. Außerdem wurde bereits zu diesem Zeitpunkt festgelegt, dass die Sendung live ausgestrahlt werden soll.

Studiogäste auswählen und festlegen
Die Beschränkung der Anzahl der Podiumsgäste auf vier aktiv Diskutierende (s.o.) ergab sich aus den Erfahrungen der vorausgegangenen Sendungen. Dieser Umstand führte innerhalb der Redaktion zu kontroversen Diskussionen, da klar wurde, dass bereits mit der Festlegung dieser vier Kandidaten ein inhaltlicher Eingriff festgeschrieben würde. Dennoch verständigte sich die Redaktion, die Vertreter der großen Parteien und den aussichtsreichsten, parteipolitisch unabhängigen Kandidaten einzuladen. Den weniger aussichtsreichen Kandidaten wurde angeboten, sich als Publikumsgäste während der Sendung an der Diskussion zu beteiligen. Darüber hinaus beschloss die Redaktion, den anderen Kandidaten jeweils mindestens zwei Minuten am Ende der Sendung zur Selbstdarstellung im Rahmen der Sendung einzuräumen.

Kandidaten und sonstige Studiogäste einladen
Um sicher zu stellen, dass die gewünschten Gäste auch tatsächlich in der Sendung auftreten, wurden unmittelbar nach diesen Festlegungen die Einladungen verschickt. Das galt für die vier genannten Kandidaten und die beiden Experten der Universität, die die Umfrageergebnisse während der Sendung interpretieren sollten. Außerdem war für die vier Kandidaten auch die Vorproduktion von Kurzportraits geplant. Dazu mussten individuelle Absprachen für den Dreh getroffen werden.
Ebenso mussten auch die Moderatoren und die Experten – die in diesem Fall nicht zur Projektgruppe gehörten – zu diesem Zeitpunkt eingeladen werden.
Zudem wurden auch die übrigen, weniger aussichtsreichen Kandidaten angeschrieben und ihnen die Möglichkeit der Darstellung ihrer Person und ihrer politischen Programme in Form von Portraits oder Stellungnahmen angeboten. Dazu wurden später individuelle Produktionspläne ausgearbeitet. Die Porträts dieser Kandidaten wurden zwei Wochen vor der Ausstrahlung im Studio aufgezeichnet, in alphabetischer Reihenfolge zusammen geschnitten und dann im Sendeplan unter Position 25 an die Sendung nahtlos angehängt (fi Kapitel 3.5.).
Um die Planung zu sichern, wurden die Gäste gebeten, ihre Zusage bis Ende Dezember zu geben. Dieser frühe Termin wurde damit begründet, dass die Redaktion Vorproduktionen (redaktionelle Beiträge) plante, die in den Sendeablauf integriert werden sollten.

Themen finden und festlegen
Neben diesen wichtigen formalen und organisatorischen Fragestellungen stand die thematische/inhaltliche Ausrichtung und Umsetzung der Sendung im Vordergrund. Es war besonders wichtig, neue, unbekannte und interessante Aspekte für die Sendung zu planen und dies in den Medien vorher auszugsweise zu publizieren. Zusätzlich stand die Redaktion Anfang Dezember 2004 vor dem Problem, dass die inhaltlichen Standpunkte der Kandidaten noch nicht ausreichend bekannt waren.
Dennoch wurden die Themenfelder bereits frühzeitig festgelegt: die Kernbereiche Soziales, Kultur, Finanzen – jene Bereiche, zu denen die öffentliche Diskussion offenbar besonders rege - teilweise kontrovers war und von allgemeinem Interesse zu sein schien.
Die Hauptaufgabe bestand nun darin, ein zum Sendetermin inhaltlich fundiertes und funktionierendes Konzept zu entwickeln, das zudem möglichst auch neue Aspekte für die Diskussionsteilnehmer und Zuschauer enthalten sollte. Leitgedanke war, einerseits ein aktuelles, möglichst repräsentatives politisches Stimmungsbild aus der Bevölkerung zu veröffentlichen und andererseits die Kompetenzen der Kandidaten darzustellen oder zu hinterfragen. Die Ergebnisse der Wählerumfrage sollten in der Sendung von zwei Wissenschaftlern, einem Politologen und einem Soziologen, vorgetragen, erläutert und zur Diskussion gestellt werden.

Darstellungsformen festlegen
Nach eingehenden Diskussionen wurden für die Sendung folgende Darstellungsformen festgelegt:

∑ Kurzportrait (Vorproduktion) – zur Vorstellung/Charakterisierung der Kandidaten,
∑ Trailer (Vorproduktion) – Einleitung der Sendung,
∑ Trennjingle (Vorproduktion) – Strukturierungshilfe für die Studiosendung,
∑ Moderierte Live-Diskussion (Studio-Talk) – Inhaltliche Diskussion der Kandidaten während der Sendung,
∑ Einspielfilme (Vorproduktion) - z.B. Straßenumfrage,
∑ Untertitel, „Bauchbinden“, Abspann (Vorproduktion),
∑ Power Point (Vorproduktion) - Präsentation der Umfrageergebnisse,
∑ Live-Kommentierung der Umfrageergebnisse durch Experten,
∑ Statement (Vorproduktion) – zur Darstellung politischer Standpunkte bzw. Programme der Kandidaten, die nicht live in der Sendung sein wollten oder konnten,
∑ Generelles Format der Sendung: moderierte Studio-Live-Sendung mit Gästen, Publikum, Experten unter Verwendung der vor genannten Elemente.

Aus diesen Festlegungen konnte dann der Produktionsplan (fiKapitel 3.5. Beispielsproduktionsplan Trailer) bis zu Sendung festgelegt werden.

Finanzierung sichern
Aus diesen inhaltlichen und organisatorischen Festlegungen ergibt sich die Frage, wie viel das kostet und wer die Kosten trägt. Auch ehrenamtliche Arbeit verursacht Kosten! Also wurde ein Kosten- und Finanzierungsplan erstellt, der alle anfallenden Kosten berücksichtigte. Dazu gehörten insbesondere folgende Kostenarten:

∑ Materialkosten (Videokassetten, Rohlinge, Büromaterial, Studiogestaltung, Maske),
∑ Honorare Mentoren, Gastreferenten (u.a. Seminare und Schulungen zur Umfrage),
∑ Fahrtkosten (Produktion),
∑ Druckkosten (Veröffentlichung),
∑ Telefon- und Onlinekosten u.a.m.

Insbesondere der Entschluss eine Wählerbefragung durchzuführen, führte zu unerwarteten Kosten, die nicht unerheblich waren. Hierzu wurden Partner gesucht und gefunden und die Finanzierung in einem Finanzierungsplan dargestellt, der klarstellte, welcher Partner oder Förderer welche Kosten trägt.


3.5. Produktionsbeispiel: Sendetrailer

Um die Sendung realisieren zu können, mussten verschiedene Beiträge bzw. Einspielfilme (MAZ-Beiträge) hergestellt werden. An dieser Stelle wird am Beispiel des Sendetrailers deren Produktion erläutert. Theoretische Grundlagen wurden in Kapitel II. bereits beschrieben.

Exposè
Der Trailer soll in die Sendung einführen und klarstellen, dass es um die Stadt Rostock geht. Die Kamera nähert sich der Stadt vom Wasser her und fängt Eindrücke des städtischen Lebens sowie herausragende, identitätsstiftende Orte bzw. Gebäude des Stadtbildes ein. Ziel dieses Ganges durch Rostock wird das Rathaus sein – der Ort, der gerade heftig umkämpft ist und den eigentlichen Ort des Geschehens darstellt.
Der Trailer macht deutlich, wer hinter dieser Sendung steht, indem er grafisch den Namen NordPol  darstellt. Es werden keine Originaltöne verwendet. Der Trailer wird auf eine anregende Musik geschnitten.

Treatment
Der Trailer ist ca. 30 Sekunden lang, hat 11 Einstellungen und eine 3-D-Animation mit dem Namen „NordPol“ über die gesamte Länge. 5 Einstellungen sind feste Einstellungen, die anderen werden mit Zooms, Schwenks und Fahrten unterstützt. Zusätzlich sollen einige Einstellungen beim Schnitt in der Geschwindigkeit verändert (beschleunigt/verlangsamt) werden. Alle Einstellungen bestehen hauptsächlich aus Totalen und zeigen Bilder aus Rostock. Die Auswahl der Bilder soll auf ein für Rostock relevantes Thema hinweisen. Am Ende steht das Rathaus, womit für den Zuschauer der Bezug zu einem stadtpolitischen Thema herzustellen ist. Über den gesamten Trailer läuft Musik.

Pos.    Video    Audio    Zeit
1    Totale: Rostocker Silhouette, gefilmt von Gehlsdorf mit Warnow im Vordergrund,    Musik    3 sec.
2    Totale: Architektur Lange Straße mit einem Wahrzeichen, Autoverkehr im Vordergrund,    Musik    3 sec.
3    Totale: Architektur Lange Strasse,    Musik    3 sec.
4    Totale: Architektur Lange Strasse,    Musik    3 sec.
5    Totale: Fahrt durch Fußgängerzone,    Musik    3 sec.
6    Großaufnahme: UNI Gebäude, Zoom in Totale    Musik    3 sec.
7    Totale: Kröpeliner Straße mit Fußgängern, im Hintergrund Kröpeliner Tor,    Musik    3 sec.
8    Halbtotale: Untersicht, Menschen gehen unerkannt durchs Bild,    Musik    3 sec.
9    Totale: Kröpeliner Tor, Schwenk nach oben,    Musik    3 sec.
10    Großaufnahme: Kröpeliner Tor von oben, Aufzoom in Totale, Rostock mit Warnow und Schwenk nach Osten,    Musik    3 sec.
11    Überblendung auf Totale mit Schwenk nach unten auf Rathaus.    Musik    6 sec.

Über den gesamten Trailer wird animierter (bewegter) Text „NordPol“ gelegt. Alle Einstellungen sind so zu produzieren, dass diese später auch mit schnelleren Geschwindigkeiten abspielbar sind.

 Storyboard (Kästchen werden von Micha ausgemalt)

           
1. Totale: Rostock von Gehlsdorf/gegenüberliegende Seite der Warnow    2. Totale: Architektur Lange Strasse    3. Totale: Architektur Lange Strasse    4. Totale: Architektur Lange Strasse
           
5.Totale: Fahrt durch Fußgängerzone    6. Großaufnahme: UNI- Gebäude, Zoom in Totale    7. Totale: Kröpeliner Straße mit Fußgängern, im Hintergrund Kröpeliner Tor    8. Halbtotale: Untersicht, Menschen gehen unerkannt durchs Bild


           
Blende in die Live-Sendung im Studio

9. Totale: Kröpeliner Tor, Schwenk nach oben
    10. Groß: Kröpeliner Tor von Oben, Zoom in Totale: Rostock mit Warnow und Schwenk nach Osten    11. Totale: mit Schwenk nach unten auf Rathaus    Wird in der Senderegie realisiert



Drehplan Sendetrailer
Drehort: Innenstadt Rostock    1.    Rathaus,
2. Kröpeliner Strasse
3. UNI- Gebäude
4. Kröpeliner Tor
5. Hochhaus August- Bebel- Str.    Montag
Montag
Montag
Montag
Dienstag
Drehort: Gehldorf    6.    Gehlsdorf    Freitag

Personal:     ein Drehteam: Kameramann (N.N.), Kameraassistent (N.N.)
Technik:     Videokamera mit Stativ, Akkus
Material:     2 Videokassetten Mini-DV (je 30 min.)
Sonstiges:     Drehgenehmigungen und Zugangsmöglichkeiten vorausgesetzt, kein Regen


Produktionsplan Trailer (Beispiel)

Arbeitsschritt    Tag/Zeit    Ort    Verantwortlich    Inhalt
Ideenkonferenz    1 Tag.    Redaktionsbüro    Team    Ideenentwicklung
Exposè    1 Tag    Redaktionsbüro    Redakteur/ Regisseur    schriftlich fixieren
Treatment Storyboard    4 Tage    n.n.    Regisseur
Kameramann    schriftlich fixieren
Konzeptvorstellung    Redaktionssitzung    Redaktionsbüro    Team
ges. Redaktion    Präsentation
Genehmigung
Drehplan    1-2 Tage    Redaktionsbüro    Team    schriftlich fixieren und abstimmen
Dreharbeiten    2 Tage je 2-4 Std.    lt. Plan    lt. Plan    Aufzeichnung der Einstellungen
Materialsichtung    1 Tag    Schnittraum    Regisseur
Kameramann
Cutter    Rohbandprotokoll anfertigen
ggf. Nachdreh
Schnittplan    1 Tag    Redaktionsbüro    Regisseur
Cutter    Schnittliste
Zeitplan
Schnittplatzbuchung
Rohschnitt    1 Tag    Schnittraum    Cutter
Regisseur    Hartschnitt
Ton anlegen
Rohschnittabnahme    1-2 Std.    Redaktionsbüro    alle    Diskussion, Genehmigung
Feinschnitt/Mischung    1 Tag    Schnittraum    Cutter
Regisseur    Feinschnitt
Blenden, Effekte
Mischung
Masterband
Filmübergabe    ca.30 Min.    Redaktionsbüro    Redakteur/ Regisseur    Produktionsabschluss


3.6. Realisierung der Wahlsendung

Alle vorbereitenden Arbeiten waren abgeschlossen (Filmmaterial, Disposition der Technik und des Studios, Moderatoren waren vorbereitet, alle Kandidaten eingeladen usw.), d.h. an dieser Stelle des Projektes konnte mit der Tages- und Feinplanung begonnen werden, bei der die letzten Arbeitsaufgaben schriftlich festgehalten wurden. Die Redaktion entschied sich, eine Tagesdisposition zu schreiben, damit auch alles an seinem Platz stehen bzw. die Sendung reibungslos verlaufen würde:

Tagesdisposition der Produktion der Studio-Live-Sendung zur Rostocker OB-Wahl 2005:

Uhrzeit/Ort    Inhalt/Ablauf    Position/Teilnahme
10.00 Uhr
Studio    Aufbau Studiodekoration, Stühle, Tische etc.
Einrichten des Lichtes
Einrichten der Studiotechnik (Kameras, Mikrofone , Regiepult)    Aufbau/Licht/Technik
Technik-Crew
Bühnenbildner
Lichtverantwortlicher
12.30 Uhr    Mittagspause    alle
13.00 Uhr
Studio    Technische Ablaufbesprechung
Technische Einrichtung, Bildregie und Studiokamera
Einrichtung Studio- Ton, Sende- Ton, MAZ, Grafikcomputer
Individuelle Proben und Tests
Weißabgleich Studiokameras    Aufnahmeleitung
Bildregie
Kamerateam
MAZ-Operator
Grafik-Operator
13.30 Uhr
(anderer Raum)    Sichtung aller Einspieler (MAZ) und ggf. Grafiken (Umfrageergebnisse)    Aufnahmeleitung
Moderation
MAZ-Operator
Bildregie
Senderegie
Chefredakteur
14.30 Uhr
Studio    Stellprobe
Probe „Talksituation“
sonstige Proben
Kurzdurchlaufprobe    alle
15.30 Uhr    Pause    alle
16.00 Uhr
Studio    Sendebesprechung
Generalprobe (Durchlauf)    alle
17.30 Uhr
Studio    Manöverkritik (kurz und präzise)
anschließend Pause    alle
18.00 Uhr
Extra Raum



Studio    Empfang der Gäste
Besprechung des Sendeablaufes, der Themen mit den Gästen
Vorstellung der Moderatoren und Aufnahmeleitung
Maske
Plazieren und Begrüßung des Publikums    Projektleiter
Aufnahmeleitung
Chefredakteur
Moderation
Maske
Helfer
18.20 Uhr
Studio    Plazieren und Tonverkabelung der Gäste
Sprechprobe    Aufnahmeleitung
Ton
Techn. Assistenz
Gäste
18.25 Uhr
Studio    Alle auf Position
Alle Geräte auf Start
Aufzeichnungs-MAZ auf Start
Einspiel-MAZ (Trailer) auf Start    alle
18.30 Uhr
Studio    Live Aufschaltung auf den Sender
Sendestart    alle
ca. 20.05 Uhr
Studio    Ende der Live-Diskussion 
Weiter „on air“ MAZ: Kandidatenportraits    Senderegie
Operators
20.06 Uhr
Studio    Dank an die Gäste
Dank ans Publikum
Entkabelung der Gäste
Verabschiedung    Aufnahmeleitung
Projektleitung
Gäste
Publikum
ca. 20.30 Uhr
Studio    Ende der Live Ausstrahlung und Aufzeichnung/
Ende der Sendung    Senderegie
Operators
20.35 Uhr    Pause    alle
20.50 Uhr
Studio    Kurzauswertung
Dank und Anerkennung
Rückbaubesprechung    alle
21.00 Uhr
Studio    Technischer Rückbau des Studios
Sicherung der Aufzeichnung und sonstiger Materialien (z.B. MAZ-Beiträge)    alle
ca. 21.30    Ende/Verabschiedung    alle

Die abschließende inhaltliche und technische Strukturierung der Sendung in Form des folgenden Ablaufplanes konnte erst wenige Tage vor dem Sendetermin vorgenommen werden. Anhand des Ablaufplans wurde einen Tag vor der Sendung der Einstieg und die komplizierten Übergänge (fi Ortswechsel im Ablaufplan) geprobt.

Sendeablaufplan der Studio-Live-Sendung:

Pos.    Inhalt    Mod.    Ort    Uhrzeit     Dauer
1    Sendetrailer        MAZ    18:30    1 min.
2    Anmoderation: Begrüßung der Zuschauer
Vorstellung Sendekonzept
Einblendung: Internetadresse / www.ifnm.de/politik     Mod. 1
Mod. 2    Stehtisch    18:31    1 min.
3    Anmoderation erster Gast in alphabetischer Reihenfolge
Überleitung MAZ  Methling    Mod. 1
Mod. 2    Stehtisch     18:32    1 min.
4    MAZ Herr Methling        MAZ    18:33    1 min.
5    Begrüßung Herr Methling, Zwiegespräch
Überleitung MAZ Schillen    Mod. 1
Mod. 2    Stehtisch    18:34    2 min.
6    MAZ Frau Schillen        MAZ    18:36    1 min.
7    Begrüßung Frau Schillen, Zwiegespräch
Überleitung MAZ Schörken    Mod. 1
Mod. 2    Stehtisch    18:37    2 min.
8    MAZ Herr Schörken        MAZ    18:39    1 min.
9    Begrüßung Herr Schörken, Zwiegespräch
Überleitung MAZ Schröder    Mod. 1
Mod. 2    Stehtisch    18:40    2 min.
10    MAZ Herr Schröder        MAZ    18:42    1 min.
11    Begrüßung Herr Schröder, Zwiegespräch
Überleitung MAZ    Mod. 1
Mod. 2    Stehtisch    18:43    2 min.
12    MAZ: Trennjingle        MAZ    18:45    1 min.
13    Diskussionsrunde
Vertrauen der Bürger in Politik    Mod. 1    Sitzrunde    18:46    10 min.
14    1.a Umfrageergebnisse: Bekanntheitsgrad, Parteienzugehörigkeit, Kompetenz, Finanzen, Wirtschaft, Verwaltung    Mod. 2    Stehtisch    18:56    10 min.
15    1.b Diskussionsrunde
Konfrontation mit Umfrageergebnissen       Mod. 1    Sitzrunde    19:06    10 min.
16    2.a Umfrageergebnisse: Kompetenz, Soziales, Kultur    Mod. 2    Stehtisch    19:16    5 min.
17    2.b Diskussionsrunde
Konfrontation mit Umfrageergebnissen, Überleitung MAZ Sparen    Mod. 1    Sitzrunde    19:21    10 min.
18    MAZ Sparen        MAZ    19:31    1 min.
19    Überleitung zum Stehtisch    Mod. 1    Sitzrunde    19:32    1 min.
20    3.a Umfrageergebnisse: Sparen    Mod. 2    Stehtisch    19:33    10 min.
21    3.b Diskussionsrunde
Konfrontation mit Umfrageergebnissen    Mod. 1
    Sitzrunde    19:43    7 min.
22    4.a Umfrageergebnisse: Ranking     Mod. 2    Stehtisch    19:50    5 min.
23    4.b Diskussionsrunde
Konfrontation mit Umfrageergebnissen / Verabschiedung    Mod. 1    Sitzrunde     19:55    9 min.
24    Verabschiedung / Überleitung MAZ    Mod. 2    Stehtisch    20:04    2 min.
25    MAZ Andere Kandidaten / Abspann / Trailer        MAZ    20:06 -20:30    24 min.

Die erste Spalte dient der Orientierung, damit alle Mitarbeiter schnell und einfach nachvollziehen können, wo man sich gerade im Ablauf in der Sendung befindet und damit man weiß, was als nächstes zu tun ist. Die zweite Spalte beschreibt, was in den Zeiten (fünfte Spalte) geschehen soll. Die dritte und vierte Spalte beschreiben, welcher Moderator sich wo zu welchem Zeitpunkt im Studio für die Sendung bereit halten muss. Die sechste bezeichnet die Dauer der jeweiligen Sendepositionen.

Für die Produktion waren folgende Arbeitspositionen zu besetzen:

Studio: Kamera 1-3 (drei Kameramänner, evtl. 3 Kameraassistenten), Aufnahmeleitung, Lichtregie, Maske, Gästebetreuung,
Regieraum: Schriftgenerator (Bauchbinden, Abspann usw.), Bildschnitt, Ton-Operator, MAZ-Operator (verantwortlich für die richtigen Einspieler zum richtigen Zeitpunkt), Bildregie und Senderegie.
Das Personal dazu wurde u.a. nach Interessen und vorhandenen Kompetenzen der Teilnehmer ausgewählt.

Resümee
Die Sendung wurde entsprechend den Vorbereitungen realisiert und vom (Fernseh)Publikum und den Gästen gut angenommen bzw. als gelungen bewertet. Darüber hinaus waren auch die Projektteilnehmer und alle Kooperationspartner mit dem Ergebnis zufrieden. Insbesondere für die Projektgruppe barg der Projektverlauf einen hohen Erlebniswert, u.a. deshalb, weil neben den medienpädagogischen Herausforderungen, politisch interessante Aspekte sowie die Auseinandersetzung mit kommunalpolitischen Fragestellungen und wie diese wirkungsvoll im Fernsehen dazustellen sind, den gesamten Projektverlauf bereicherten. Die NordPol-Redaktion hat neue Mitstreiter gewonnen und konnte bis heute weitere Projekte umsetzen.


IV. Wahlforschung - Statistik


Statistische Erhebungen - oder sollte man einfach „Umfragen“ formulieren? - sind nicht nur in den Medien an der Tagesordnung. Die mit diesen Mitteln gewonnenen Zahlen sollen den Eindruck der Glaubwürdigkeit der daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen und Aussagen unterstreichen. Aber sind diese tatsächlich so objektiv, wie sie Anspruch erheben, es zu sein? Die scheinbare Macht der Zahlen wächst in der öffentlichen Darstellung bzw. Wahrnehmung offenbar unaufhaltsam. Demgegenüber wächst scheinbar gleichzeitig das Misstrauen gegenüber Interpretationen von Statistiken. Wer, außer wenigen Experten, hat schon genaueren Einblick in die Methoden, mit denen diese Zahlen gewonnen und die Aussagen abgeleitet bzw. interpretiert werden?
In Bezug auf das Einbinden von Umfragen bzw. statistischen Daten in (Medien)Projekte mit einem politischen Schwerpunkt oder Thema bedeutet die Verwendung von Zahlen oft auch eine inhaltliche Bereicherung. Einerseits können Umfrageergebnisse anderer recherchiert und thematisch eingebunden werden. Um sich andererseits unabhängig von „fremden“ Ergebnissen zu machen, besteht für jede Projektgruppe die Möglichkeit, eigene Daten bzw. Ergebnisse zu erheben. Insbesondere letzteres kann mitunter die inhaltliche Aufbereitung des gewählten politischen Themas ergänzen, untermauern oder auch widerlegen. Für das jeweilige Projekt bedeuten eigene Daten immer auch eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Thema, da man sich einen adäquaten Fragenkatalog überlegen muss und sich darüber vor sich selbst (und anderen) legitimiert, warum man sich für bestimmte Inhalte (politische Sachverhalte) interessiert, welche Ziele man mit dem Projekt verfolgt oder ob man auf dem „richtigen Weg“ ist. Umfragedaten machen die Recherche nicht überflüssig, vielmehr wird diese bereichert bzw. in die entscheidende Richtung geführt. Die gewonnen Daten (Aussagen, Fakten etc.) können darüber hinaus Bestandteile eines Beitrags oder einer Sendung sein. Dadurch erfahren die Daten auch eine öffentliche Reaktion und sind damit auch Impuls für weiterführende Diskussionen.


4.1. Umfrage

Die Redaktionsgruppe NordPol hatte sich vorgenommen, mit den Projektteilnehmern aus der Rolle der „Statistikkonsumenten“ herauszutreten und die Seite zu wechseln. Dabei sollten die jungen Leute sich das Instrument der Wählerbefragung aneignen und selbst nutzen, um zu eigenen, exklusiven Zahlen und Ergebnissen zu gelangen. So konnten die Teilnehmer Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Bedeutung eine Veröffentlichung von statistisch gewonnenen und verarbeiteten Daten für Wahlprognosen haben. 
Neben dem Effekt, erstmals in einem Bürgermedium eigene Umfrageergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren zu können – quasi als eigener und zusätzlicher Beitrag in der Sendung – sollte diese spezielle Arbeit auch dazu beitragen, dass die Projektteilnehmer erkennen können, dass auch statistisch gewonnene Zahlen nicht die ganze Wirklichkeit darstellen können. Mithin kann der, der in der praktischen Arbeit solche Erfahrungen machen konnte, die Darstellungen in den Medien kritischer beurteilen.
Der damit verbundene Aufwand wurde den Machern erst klar, als die Arbeit bereits lief. Eine Umfrage dieser Art (mit Anspruch auf Repräsentativität) erforderte einen hohen personellen, finanziellen, technischen und logistischen Aufwand, der sicherlich nicht in jeder Einrichtung, die ähnliche Projekte durchführen will, einfach erbracht werden kann.
Wer komplexe Umfragen durchführen will, sollte sich von vorn herein mit Partnern zusammenschließen, die bestimmte, in der jeweiligen Einrichtung nicht vorhandene Kompetenzen oder Voraussetzungen einbringen können.  Die hier dargestellte relativ umfangreiche Umfrage soll nicht als Standard aufgefasst werden. Es lassen sich durchaus auch kleinere, nicht repräsentative Umfrageprojekte realisieren. Diese können z.B. mittels eines auszufüllenden Fragebogens und mit Exceltabellen ausgewertet werden. Die Grundsätze für Befragungen, die in diesem Kapitel ausgeführt werden, lassen sich aber auch auf kleinere Vorhaben übertragen:

Kleinere Umfrageformen sind z.B.:
∑ Gesprächsprotokolle,
∑ Aufnehmen der Aussagen (Tonband, Videokamera),
∑ Telefonische Befragung (wenn vorher klar ist, wer zu was befragt werden soll),
∑ Online Befragung (in Foren oder mit einem online auszufüllenden Fragebogen),
∑ Schriftliche Befragung:
o (kleiner) Fragebogen zum Ankreuzen (später werden Kreuze pro Antwort zusammengezählt),
o (kleiner) Fragebogen mit offenen Fragen (kleinere Texte schreiben).

Wer kann z.B. befragt werden.:
∑ Mitschüler, Gleichaltrige, Freunde,
∑ Lehrer, Schulleiter,
∑ Eltern, Familie,
∑ Bewohner eines Stadtteils,
∑ Besucher eines Jugendclubs,
∑ Sozialarbeiter, Behörden, Sachverständige (Experten zum Thema),
∑ Kollegen,
∑ Betroffene etc.

Im Folgenden wird in den wesentlichen Grundzügen dargelegt, wie in diesem Projekt die Wählerbefragung konzipiert, durchgeführt, ausgewertet und präsentiert wurde, mit welchen Partnern welcher Teil  des Vorhabens realisiert wurde und welche Mittel und Voraussetzungen erforderlich waren.

Empirische Studie zur OB Wahl
Umfragen gehören mittlerweile zum Standard politischer Wahlberichterstattung. Dies gilt für alle Massenmedien. Die Daten werden in aller Regel von Meinungsforschungsinstituten erhoben und ausgewertet. Repräsentative Wählerbefragungen auf lokaler Ebene sind eher noch die Ausnahme und finden i.d.R. vor allem in den regionalen Tageszeitungen statt.
Mit Straßen- und Einzelinterviews können lediglich Stimmungsbilder in der Bevölkerung dargestellt werden. Deshalb haben diese auch nur eine begrenzte Aussagekraft und sind nicht verallgemeinerbar. Um repräsentative Aussagen z.B. zu Themen, wie:
 
∑ Vertrauen der Bürger in die Politik,
∑ Kompetenz der Kandidaten/innen in den Bereichen Soziales, Kultur, Finanzen,
∑ Sparen im überschuldeten Haushalt der Hansestadt,
∑ Stellungnahmen zu Wahlaussichten und
∑ Bewertung von Zielsetzungen und politischen Programmen der Kandidaten

treffen zu können, sollten die Wahlberechtigten in Rostock befragt werden. Die Kandidaten sollten dann in der Sendung mit den Ergebnissen der Umfrage konfrontiert werden.  Gleichzeitig würde mit der Veröffentlichung dieser exklusiven Daten auch eine Wahlprognose veröffentlicht werden können, die sich allerdings an den tatsächlichen Wahlergebnissen später messen lassen musste. Auch die Überlegung spielte eine Rolle, was denn geschehen könnte, wenn die Ergebnisse der Befragung  unzutreffend sein würden.

∑ Könnte das möglicherweise Wähler beeinflussen?
∑ Welchen Einfluss hat ein Bürgersender wirklich auf lokale/regionale Politik?
∑ Welche Vorkehrungen müssen getroffen werden, dass die Ergebnisse wirklich verlässlich sind?

Welche Auswirkungen falsche oder ungenaue Zahlen haben können, zeigte das Prognosendesaster zu den Bundestagswahlen 2005. Zusätzlich musste geklärt werden, welche rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Veröffentlichung der Umfrageergebnisse beachtet werden mussten. Dazu wandte sich die Redaktion sowohl an den Wahlleiter der Hansestadt, als auch an den Landeswahlleiter. Beide hatten keine rechtlichen Bedenken für die Art und Weise und den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Ergebnisse.

Hinweis
Repräsentative Umfragen sind in der medienpädagogischen Praxis die Ausnahme. Der Aufwand ist sehr groß. Einzelne Befragungen und Interviews sind hier besser geeignet. Es ist hilfreich, sich Sachverhalte von Experten in Interviews erklären zu lassen.

Aufgaben und Arbeitsteilung
Durch die Überlegungen zu der Wählerumfrage wurden zum Teil ganz neue Aspekte politischer Bildung in der medienpädagogischen Praxis deutlich. Das Vorhaben machte zusätzliche und spezielle personelle und professionelle Unterstützung erforderlich. Folglich wurde der Kontakt zum Institut für Soziologie und zum Institut für Politikwissenschaften an der Universität Rostock aufgenommen. Durch deren Unterstützung konnten die erforderlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um die notwendigen Daten erheben, die Ergebnisse auswerten und interpretieren zu können. (Softwarelösung, Nutzung des Universitätsservers bei der Datenerhebung usw.)  Darüber hinaus standen zwei Experten beider Institute in der Sendung für die Kommentierung und Interpretation der Ergebnisse zur Verfügung. Für die weitere redaktionelle Verfahrensweise und die Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben standen damit Mitte Dezember 2004 folgende Arbeitschritte auf der Agenda:

∑ Konzipierung, Organisation, Durchführung und Auswertung der Umfrage,
∑ Schulung der Projektteilnehmer für Zwecke einer computergestützten Telefonumfrage,
∑ Einrichtung eines Computerkabinetts u.a. mit der Möglichkeit für Internettelephonie,
∑ Schulung der Teilnehmer zu Analyse, Interpretation und Bewertung der Umfrageergebnisse,
∑ Entwicklung und Operationalisierung eines Fragebogens,
∑ Entwicklung einer Auswertungsmaske,
∑ Auswertung der gewonnen Daten,
∑ Übertragung der Ergebnisse in Diagramme für eine Präsentation während der Studiosendung (in diesem Fall mit Power Point),
∑ Einpassung der Präsentation in den Sendeablauf.

Für die Realisierung dieses Teiles des Projektes wurde eine spezielle Teilgruppe „Umfrage“ innerhalb der Projektgruppe gebildet. Die Mitglieder dieser Gruppe wurden in die redaktionelle Arbeit eingebunden, da deren Arbeitsergebnisse ein wesentlicher Teil der Studio-Live-Sendung sein sollten.

Seminare zur empirischen Sozialforschung
Da die Mitglieder der Umfragegruppe nicht oder nur teilweise über ausreichende Vorkenntnisse verfügten, wurde zunächst eine Konzeption für eine Seminarreihe entwickelt. Diese wurde in Kooperation mit der Universität Rostock, dem Institut für Neue Medien, der Landeszentrale für politische Bildung und der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltet.
Die angebotenen Seminare richteten sich in erster Linie an die Projektteilnehmer. Daneben sollten Studenten der Fachrichtungen Sozial- und Politikwissenschaften die Möglichkeit bekommen, sozialwissenschaftliche Theorien und Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. Mit den Teilnehmern wurden Grundlagen sozialwissenschaftlichen Arbeitens, geeignete Forschungsmethoden und der Fragebogen (fi Kapitel 5.3.) entwickelt. Am Ende des gesamten Prozesses erfolgte mit den Produzenten der Sendung und den Teilnehmern der Studie (Interviewer) ein abschließendes Auswertungsseminar. Folgende Inhalte wurden in der Seminarreihe behandelt***:

∑ Grundlagen empirischer Sozialforschung,
∑ Datenschutz,
∑ Bedeutung von politischen Meinungsumfragen,
∑ Methoden empirischer Forschung,
∑ Forschungsinstrumente,
∑ Entwicklung und Operationalisierung eines geeigneten Fragebogens,
∑ Interviewerschulung (telefonische Befragung),
∑ Auswertungsmöglichkeiten,
∑ Repräsentativität und Ziehung von Stichproben,
∑ Datenanalyse und Aufbereitung,
∑ Grafische Darstellungsmöglichkeiten.


4.2. Erhebungsinstrument

Es standen verschiedene Erhebungsinstrumente zur Lösung der anstehenden Aufgabe zur Auswahl. Die Entscheidung fiel für eine computergestützte telefonische Umfrage.
In den letzten 20 Jahren hat sich die Methode der telefonischen Befragung als ein sehr einfaches und zuverlässiges Erhebungsinstrument in der Forschungspraxis etabliert. Dies wurde möglich, da in allen entwickelten Industriestaaten praktisch jeder Haushalt über einen Telefonanschluss verfügt. Daneben existieren öffentlich zugängliche Telefonverzeichnisse, aus denen die notwendigen Stichproben (Teil/Querschnitt einer Gesamtheit, die befragt werden soll = Grundgesamtheit) gezogen werden können. Die so gewonnen Umfrageergebnisse lassen dann unter Berücksichtigung bestimmter quantitativer und qualitativer Bedingungen Aussagen zu, die eine allgemeine Gültigkeit haben können.
Zusätzlich zu dieser Möglichkeit ist in den letzten Jahren, neben den schon länger existierenden computergestützten Auswertungsmöglichkeiten statistischer Daten, auch die Unterstützung durch den Computer bereits bei der Erhebung in den Vordergrund getreten. Dieses Instrument (CATI = computer assistent telefon interview) erlaubt es, die telefonisch erhobenen Daten direkt in den PC einzugeben, um diese dann sehr schnell mit entsprechenden statistischen Verarbeitungsprogrammen (z.B. Excel, SPSS) aufzubereiten und entsprechend auszuwerten. Unsere Ergebnisse wurden mit MS- Excel ausgewertet.
Für die Wählerumfrage zur Oberbürgermeisterwahl 2005 in Rostock wurde die für repräsentative Ergebnisse nötige Stichprobe (Querschnitt) aller Wahlberechtigten der Hansestadt (Grundgesamtheit) aus einem aktuellen, öffentlich zugänglichen digitalen, 50.000 Telefonnummern umfassenden Verzeichnis von T-Online gezogen. Es wurde eine Anzahl von 1.000 Stammnummern, mit zusätzlich jeweils 3 Ersatznummern, aus dem Verzeichnis zufällig ausgewählt (Zufallsstichprobe). Diese 4.000 Telefonnummern stellten damit die Stichprobengröße dar, mittels derer die Ergebnisse gewonnen werden sollten.

Fragebogen
Neben den mehr technischen Vorbereitungen galt es vor allem, einen geeigneten Fragebogen zu entwickeln. Ziel musste es sein, Informationen zu erhalten über die wahrscheinlich niemand anders zu diesem Zeitpunkt verfügte. Wer wird nach Meinung der Befragten wohl der zukünftige Bürgermeister sein, war genauso von Interesse wie die Frage, wie hoch wird beispielsweise die mögliche Wahlbeteiligung sein usw.
Die Anzahl der zu stellenden Fragen bei den Telefoninterviews wurde begrenzt. Das hing u.a. von folgenden Faktoren ab:

∑ Erstens würden die zu Interviewenden in aller Regel nicht bereit sein, über eine längere Zeit am Telefon Auskunft zu erteilen. Die Auskunftsbereitschaft der zu Interviewenden hängt auch davon ab, welches Thema die Umfrage untersucht und wie geschult das Interviewpersonal ist.
∑ Zweitens müsste ein Fragebogen so gestaltet sein, dass er für alle Interviewer und Gesprächspartner verständlich ist.
∑ Drittens würden mehr Fragen nicht nur längere Interviews für die Befragten bedeuten, sondern auch längere Bearbeitungszeiten für die Interviewer und diejenigen, die die Daten auswerten. Hierdurch entstünden u.a. mehr Personal- und Telefonkosten.

Darüber hinaus entstehen, je nach technischen Voraussetzungen, längere Erhebungszeiten, die gerade bei aktuellen Stimmungsbildern unerwünschte Nebenwirkungen, wie z.B. Verzerrungen der Ergebnisse, nach sich ziehen können. Es galt, einen angemessenen Fragebogen zu entwickeln, der zu einer geringen Abbrecherquote und zu einem Höchstmaß an Qualität der erhobenen Daten führen konnte. Unter dem Link (fi http://umfragen.infakt.org) kann man den Fragebogen einsehen, ausfüllen und auch ausprobieren. Außerdem findet man unter dieser Adresse auch die Umfrageergebnisse. Zusätzlich ist der Fragebogen als Fragenkatalog im Anhang abgedruckt.

Durchführung der Umfrage, Analysen
Aufgrund der Anzahl der Fragen und der sich daraus ergebenden Antwortmöglichkeiten, konnte auf einen etwaigen Zeitaufwand für ein Interview geschlossen werden. Die durchschnittliche Länge wurde mit 10 Minuten kalkuliert. Dazu kam die Zeit, die benötigt würde, um den Befragten telefonisch zu erreichen. Hierzu mussten die Interviewer zunächst die 1.000 Stammnummern abtelefonieren. Wurde beim ersten Kontaktversuch niemand erreicht, musste der Versuch zu einem anderen Zeitpunkt bis zu zwei Mal wiederholt werden. Erst nach drei gescheiterten Kontaktversuchen durften die Ersatznummern angewählt werden. Unabhängig von der Erreichbarkeit der Zielpersonen war die Teilnahme selbstverständlich freiwillig. Trotz erfolgreicher Kontaktaufnahme, musste dies nicht gleichzeitig auch die erfolgreiche Realisierung eines Interviews bedeuten.
Aus diesen Parametern ergab sich eine kalkulatorische Größe von 20 Minuten, in denen ein Interview realisiert werden sollte. Aufgrund des oben erwähnten Zeitfensters von max. fünf Tagen Erhebungszeitraum bedeutete dies, täglich 200 Interviews realisieren zu müssen. Aufgeteilt auf 10 Telefoninterviewer mussten also von jedem täglich 20 Interviews realisiert werden.  Insgesamt wurden 783 statistisch verwertbare Interviews erzielt. Die gewonnen Zahlen wurden dann mit einer gewöhnlichen MS-Excel-Version verarbeitet und aufbereitet. Die grafisch mit MS-PowerPoint aufbereiteten Ergebnisse sind in Kapitel IV. in Auszügen dargestellt und im Anhang komplett aufgeführt (fi Kapitel 5.4.). Die aufbereiteten Ergebnisse wurden in dieser Form in die Sendung integriert (fi Kapitel 3.6. Sendablauf), von Experten innerhalb der Sendung vorgestellt und gemeinsam mit den Studiogästen diskutiert. Selbstverständlich wurden die Daten gemäß der in Deutschland und der EU geltenden Richtlinien zur Erhebung und Verarbeitung Personen bezogener Daten eingehalten.

 
V. Anhang

5.1. Literaturhinweise

Medien:
∑ Antje von Rein:             „Medienkompetenz als Schlüsselbergriff“
∑ Baacke; Kornblum, Lauffer (Hg.):     „Handbuch Medien:
Medienkompetenz. Modelle und Projekte“
∑ Baacke; Kübler (Hg.):             „Qualitative Medienforschung“
∑ Brenner; Niesyto (Hg.):             „Handlungsorientierte Medienarbeit – Video, Film,
Ton, Foto“
∑ Claudia Mast:                 „ABC des Journalismus“
∑ Wilhelm Roth:                 „Der Dokumentarfilm seit 1960“
∑ Hans-Joachim Schlüter:         „ABC für Volontärs-Ausbilder.
Lehrbeispiele und praktische Übungen“
∑ Michael Haller:                 „Die Reportage. Ein Handbuch für Journalisten“
„Das Interview. Ein Handbuch für Journalisten“
∑ Bernd Schorb:                 „Medienalltag und Handeln“
∑ Schriefers; Bischoff (Hg.):         „Medienkompetenz. Eine Aufgabe nimmt
Gestalt an“
∑ Stross; Kornacher (Hg.):         „Dokumentarisches Videofilmen
– Von der Idee bis zum fertigen Film“
∑ Medienpädagogisches Zentrum (Land Brandenburg): „Projektarbeit mit Medien“
∑ Hans Beller,                 „Handbuch der Filmmontage“
∑ Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): „Handbuch Medien: Offene Kanäle“
∑ LPR Hessen (Hg.):            „TV- Produktion in Schule und Hochschule“
∑ James Monaco:            „Film Verstehen"
∑ Polzer; Nuffer (Hg.):            „Weltwunder der Kinematographie 7.2003. Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. Filmschnitt und Schneidetisch. Eine Zeitreise durch die Klassische Montagetechnologie
∑ Arne Sinnwell:                 „AVID Cutterhandbuch“
∑ Walther von La Roche:             „Einführung in den praktischen Journalismus“
∑ Albrecht Leif:                 „Studie zur Formatentwicklung, Projektgruppe des
Medien-Disputs Mainz 2005“


Zeitschriften:
∑ „Medien praktisch“ (Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik -GEP)
∑ „Politik und Zeitgeschichte“ (BPB)
∑ „Medien und Erziehung“ (Reihe von KoPäd Verlag)
∑ Medienpädagogik (Reihe von KoPäd Verlag)
∑ Media Perspektiven (Onlinezeitschrift)

Politische Bildung:
∑ Wagner/ Fechter (Hg.):             „Neue Medien und die Aufgaben politischer
Bildungs- und Projektarbeit“
∑ Wolfgang Sander:             „Handbuch politische Bildung“
∑ LZPB Baden Württemberg        Reihe: Politik und Unterricht „ Massenmedien – Zeitung,
Fernsehen, Internet“
∑ Sarcinelli, Ulrich (Hg.):            „Politikvermittlung und Demokratie in der
Mediengesellschaft

Evaluation:
∑ Wottawa; Thierau (Hg.):         „Lehrbuch Evaluation“
∑ Hans-Dieter Mummendey:         „Die Fragebogenmethode“


Weblinks:

∑ www2.hu-berlin.de/esf:             Website des sozialwissenschaftlichen Instituts der Humboldt Universität Berlin, auf der man methodische Bausteine zu statistischen Erhebungen nachlesen kann.

∑ www.rostock.de:             Website der Hansestadt Rostock, auf der man den gesamten Jugendbericht der Hansestadt Rostock von 2005 herunterladen kann.


∑ http://umfragen.infakt.org:        Hier findet man den Fragebogen und die Umfrageergebnisse der statistischen Erhebung zur Oberbürgermeisterwahl in Rostock 2005

∑ www.gmk.net.de:            Website der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, auf der man aktuelle Projekte bzw. Literaturempfehlungen sowie Studienergebnisse recherchieren kann.

∑ www.Lehrer-Online.de:            Website für Lehrer (oder diejenigen, die Lehrer werden wollen), die Informationen zum Einsatz von Medien in der Schule erhalten wollen (Literaturempfehlungen und Projektideen.

∑ www.medienpaedagogik-online.de    Website, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung und deren Koordinierungsstelle „Medienpädagogik“, auch hier findet man weiterführende und aktuelle Beiträge zum Thema (u.a. Literatur, Projekte).

∑ www.filmkunde.de            Informationen über das Medium bzw. Produkt „Film“ sind hier einsehbar.

∑ www.kopaed.de            Website des Kopäd Verlags, für die Themen Kommunikation und Medien.

∑ www.bpb.de                Website der Bundeszentrale für politische Bildung, auf der man sich nicht nur über Projekte informieren, sondern auch weiterführende Literatur finden kann.

∑ www.hinner.com/rst/index_d.html    Website, deren Tool (Dokument wird in HTML übersetzt) für die Fragebogenerstellung innerhalb der Bürgerbefragung im Rahmen der Oberbürgermeisterwahl in Rostock 2005 genutzt wurde.

∑ www.adobe.de                Website des Software-Herstellers Adobe, der u.a. ein sehr professionelles Schnittprogramm bereitstellt (kostenpflichtig).

∑ http://www.learn-line.nrw.de/angebote/medienbildung:    Website, auf der man schulische Medienprojekte finden und nachlesen kann.


5.2. Kooperationspartner (Auswahl)

Medienwerkstätten
∑ Landesfilmzentrum Mecklenburg-Vorpommern/Produktionszentrum
www.film-mv.de
∑ Institut für neue medien – Medienwerkstatt Rostock
www.ifnm.de
∑ LATUECHT – Film und Medien e.V., Medienwerkstatt Neubrandenburg
www.latuecht.de
∑ ELF – Erstes Laager Fernsehen, Laage
www.elf-tv.de
∑ Kinder- und Jugendfilmstudio Grevesmühlen
www.grevesmuehlen-tv.de
∑ Stic-er, Strahlsund
www.stic-er.de
∑ Hansefilmstudio Rostock
www.filmfestival-mv.de
∑ Moritz-tv, Greifswald, Studentisches Fernsehprojekt
www.moritztv.de
∑ Universität Greifswald, Caspar-David-Friedrich-Institut/Medienzentrum
www.phil.uni-greifswald.de

Offene Kanäle und Bürgerradios
∑ rok-tv – Rostocker Offener Kanal
www.rok-tv.de
∑ NB-Radiotreff – Offener Kanal Neubrandenburg
www.nb-radiotreff.de
∑ Medientrecker Rostock und Neubrandenburg
www.rok-tv.de/medienkompetenz/trecker.html
www.nb-radiotreff.de/medienkompetenz
∑ FiSCH – Fernsehen in Schwerin (Offener Kanal Fernsehen)
www.fisch-tv.com
∑ LOHRO – Lokalradio Rostock
www.lohro.de
∑ Radio 98.1 – Greifswald
www.98eins.de
∑ Welle Kummerower See e.V., (Studio Malchin)
www.studio-malchin.de

Tageszeitungen
∑ Ostseezeitung
www.ostsee-zeitung.de
∑ Nordkurier
www.nordkurier.de
∑ Schweriner Volkszeitung
www.svz.de
∑ Norddeutsche Neueste Nachrichten
www.svz.de/nnn

Verbände
∑ Mecklenburg-Vorpommern Film e.V.
www.film-mv.de
∑ Landesarbeitsgemeinschaft Medien MV e.V.
Mail: lag.meko.mv@ifnm.de
∑ Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur MV e.V.
www.lag-soziokultur-mv.de
∑ Jugend – Medien – Verband MV e.V: (JMMV)
www.jmmv.de
∑ Deutscher Journalisten Verband M-V
www.djv-mv.de

Politische Bildung
∑ Landeszentrale für politische Bildung MV
www.mv-regierung.de/lpb
∑ Bundeszentrale für politische Bildung
www.bpb.de
∑ DGB-Jugend Nord
www.dgb-jugend-mv.de
∑ Landesjugendverbände (siehe Landesjugendring)


Stiftungen
∑ Heinrich Böll Stiftung
www.boell.de
∑ Konrad-Adenauer-Stiftung
www.kas.de
∑ Rosa-Luxemburg-Stiftung
www.rosaluxemburgstiftung.de/mv
∑ Friedrich-Ebert-Stiftung
http://forum.fes-international.de
∑ Deutsche Kinder- Und Jugendstiftung
www.dkjs.de
∑ Stiftung Demokratische Jugend
www.jugendstiftung.org


Sonstige
∑ Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern
www.lrz-mv.de
∑ Landesjugendamt Mecklenburg-Vorpommern
www.landesjugendamt-mv.de
∑ Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern
www.jugend.inmv.de
∑ Universität Rostock
www.uni-rostock.de
∑ Ernst-Moritz-Arndt Universität, Greifswald
www.uni-greifswald.de
∑ Hochschule für Musik und Theater Rostock
www.hmt-rostock.de
∑ Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e. V. (BKJ)
www.bkj.de
∑ Bundesverband Jugend und Film e.V.
www.bjf.info
∑ Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Mecklenburg-Vorpommern
www.lkj-mv.de


5.3. Fragebogen.
Neben den hier aufgelisteten Umfragefragen ist auf der nachfolgenden Internetseite der Fragebogen komplett mit Filterführungen und Interviewerhinweisen nach zu lesen bzw. auch zu testen.
(http://www.infakt.org/cgi-bin/rst_main.cgi?_surveycfg=demo_de#Q13)


∑ Frage 1:    Wie viele für  die OB-Wahl in Rostock  wahlberechtigte Personen,
            also 16 Jahre und älter, leben in Ihrem Haushalt?
∑ Frage 2:    Weil wir die Befragung nach einem Zufallssystem durchführen, hätte ich gern die
            wahlberechtigte Person gesprochen, die als nächstes Geburtstag hat
∑ Frage 3:    Sind Ihnen einige Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl namentlich bekannt?
            Ich lese Ihnen die Liste mit den Kandidaten vor und Sie sagen mir bitte, ob sie den
            Namen kennen oder nicht.
∑ Frage 4-7:    Wissen Sie, von welcher Partei oder Wählerinitiative die Kandidaten unterstützt
            werden?
∑ Frage 8:     Für wie kompetent halten Sie  Herrn Schörken, der für die CDU antritt in Sachen:
            Wirtschaft, Finanzen, Soziales, Kultur, Verwaltungsreform
∑ Frage 9:     Für wie kompetent halten Sie  Frau Schillen, die für die PDS antritt in Sachen:
∑ Frage 10:     Für wie kompetent halten Sie  Herrn Schröder, der für die SPD antritt in Sachen:
∑ Frage 11:     Für wie kompetent halten Sie  Herrn Methling, der für das Bündnis für Rostock
            antritt in Sachen:
∑ Frage 12:     In welchem der Bereiche, die ich Ihnen gleich nennen werden, sollte Ihrer Meinung
            nach  viel (1), etwas (2) oder  überhaupt nicht (3) gespart werden?
∑ Frage 13:     Werden Sie am 27. Februar zur Oberbürgermeisterwahl gehen?
∑ Frage 14:     Wen werden Sie wählen?
∑ Frage 15:     Wenn Sie vielleicht zur Wahl gehen, wen würden Sie dann wählen?
            (Anm. für Interviewer: Auch Mehrfachantworten möglich!)
∑ Frage 16:     Auch wenn Sie nicht wählen gehen, trotzdem die Frage: Wen würden Sie denn am
            ehesten wählen?
∑ Frage 17:     Können Sie uns sagen, warum Sie vielleicht nicht zur Wahl gehen?
∑ Frage 18:     Können Sie uns sagen, warum Sie nicht zur Wahl gehen?
∑ Frage 19:     Sind sie bei der letzten OB-Wahl zur Wahl gegangen?
∑ Frage 20:     Zum Abschluss möchte ich Sie bitten, mir noch zu sagen, wie alt Sie sind?
∑ Frage 21:     Geschlecht?
∑ Frage 22:     Sind Sie gegenwärtig erwerbstätig, in Rente, arbeitslos, Student, Schüler o.ä.?
∑ Frage 23:      Wenn erwerbstätig: Welche berufliche Position haben Sie? Sind sie ....
∑ Frage 24:     Welchen höchsten Schulabschluss bzw. evtl. Hochschulabschluss haben Sie
            (ggf. angestrebter bei Jugendlichen)
∑ Frage 25:     Wie viele Personen gehören zu Ihrem Haushalt - Personen incl. Befragte(r)?
∑ Frage 26:     In welcher Größenordnung liegt Ihr Haushaltseinkommen (netto) ungefähr?
            (Bei ALG II mit Wohngeld)
∑ Frage 27:     Und zum Abschluss noch eine ganz andere Frage:
            Kennen sie den Rostocker Offenen Kanal rok-tv?

 Impressum:
    •    
    •     Herausgeber: Landeszentrale für politische Bildung M-V; www.mv-regierung.de/lpb/
    •                             Institut für neue Medien Rostock; www.ifnm.de
    •    
    •     Redaktion: Jürgen Walter, Mathias Rautenberg, Manuela Kämmerer, Thomas Weiß